"Es ist unser und Zorans letzter gemeinsamer Gang", sagt die weinende 47-jährige Tanja.
Sie erinnert an die zehn zurückliegenden Jahre der Demonstrationen für Demokratie in Serbien, die seit den Massenprotesten im Herbst 1996 in "setnja" - Spaziergang - umgetauft worden waren. "Damals prügelte uns die Polizei, jetzt sind auch viele von denen traurig", sagt die Hausfrau. "Hoffentlich haben auch sie begriffen, welcher Verlust dieser Mord für uns alle ist", fügt das Mitglied der Demokratischen Partei von Djindjic zu.
In der Millionenstadt Belgrad herrscht fast absolute Stille, als der Gottesdienst in der noch immer unvollendeten Riesenkirche des Heiligen Sava für Djindjic beginnt. Fast lautlos begleiten dann mehrere hunderttausend Menschen an diesem kühlen Märzsamstag ihren "Zoki", wie Djindjic von seinen Anhängern liebevoll genannt wurde, zum Friedhof. Im Spalier vor dem Haupteingang des Friedhofs steht ein Mann, auf dessen Pullover ein Farb-Foto von Djindjic und der Satz gedruckt ist: "Ihr Ungläubigen, ihr habt die Zukunft meines Kindes ermordet."
"Das ist das echte und ehrenhafte Serbien, das ohne Zoki nicht mehr das gleiche sein wird", sagt der Zeitungsverkäufer, an dem der Trauerzug vorbeizieht. Er sorgt sich um die Zukunft des Landes. "Was wird die Welt über uns denken, wird jemand noch Geld investieren, wenn wir unseren Besten einfach abknallen„", fragt er und beschuldigt die Mafia, Kriegsverbrecher und "serbische Ausgeburten" der Bluttat.
Auch die 78-jährige Gospava weint vor ihrem Fernseher. "Sieh dir diese schöne Frau, diese wunderbaren Kinder an. Wer hat ihren Vater ermordet“", fragt sie, als sich die Angehörigen Djindjics dem mit der serbischen Flagge bedeckten Sarg im Sava-Dom nähern. Die Rentnerin hatte Djindjic früher nicht gemocht. Er war ihr zu prowestlich. Aber seit er die Regierung führte, stieg ihre Rente und es gab keine Stromsperren. Und ihre beiden Enkelsöhne müssen als Wehrpflichtige in keinen Krieg mehr ziehen. Und das ist für sie das Maß aller Dinge.
"Diese Tragödie könnte uns vielleicht auch Gutes bringen", meint Vladimir, Musiker in der Belgrader Philharmonie. Denn so viele Staatsmänner gleichzeitig hatte es in Belgrad seit Mai 1980 nicht mehr gegeben, als der Partisanenmarschall Tito beerdigt wurde. Die ausländischen Politiker sicherten der serbischen Führung Unterstützung zu. "Das müssen wir jetzt nutzen, aber zuvor wirklich die Milosevic-Erbschaft loswerden", meint der Bassist.
Währenddessen setzten die serbischen Sicherheitskräfte die Suche nach den Tätern und Hintermännern des Attentats fort. Bis gestern wurden fast 200 Personen vernommen. Für 131 Tatverdächtigte sei auf Grund des seit Mittwoch verhängten Ausnahmezustands eine Untersuchungshaft von 30 Tagen angeordnet worden, teilten die Behörden mit.