Ein heftiges Erdbeben hat am Dienstag im Norden Marokkos zahllose Häuser einstürzen lassen und wenigstens 150 Menschen in den Tod gerissen. Hunderte von Menschen wurden verletzt. Das Beben hatte nach Angaben der Beobachtungsstelle in Straßburg die Stärke 6,3 auf der Richterskala. Am schlimmsten war die Gegend um die Stadt Al Hoceima an der marokkanischen Mittelmeerküste betroffen. Laut inoffiziellen Schätzungen könne die Zahl der Toten sich auf bis zu 300 belaufen, berichtete der Rundfunk im benachbarten Spanien.

Die Dörfer in der Umgebung von Al Hoceima erlitten erhebliche Schäden. Ein Dorf wurde praktisch völlig zerstört. Die Bewohner wurden im Schlaf überrascht. Wie die amtliche marokkanische Nachrichtenagentur MAP berichtete, ereignete sich das Beben um 2.28 Uhr Ortszeit (3.28 Uhr MEZ). Es hatte sein Epizentrum im Mittelmeer vor der Küste. König Mohammed VI. mobilisierte die Armee und den Katastrophenschutz, um den Bewohnern Hilfe zu leisten.

Das betroffene Gebiet um Al Hoceima (70 000 Einwohner) ist jedoch schwer zugänglich. Es ist durch das Rif-Gebirge vom übrigen Marokko getrennt und verfügt über schlechte Straßenverbindungen. Ein Bewohner der Stadt Al Hoceima berichtete: „Auf den Straßen herrschten Szenen von Panik. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Die Krankenhäuser in der Umgebung wurden dem Zustrom der Verletzten nicht Herr.

Das Beben traf eine der ärmsten Gegenden Marokkos. Das überwiegend von Berbern bewohnte Rif-Gebirge war jahrzehntelang von der Regierung vernachlässigt worden, nachdem die Bewohner Ende der 50er Jahre gegen König Hassan II., den Vater des heutigen Monarchen, revoltiert hatten. Ein großer Teil der Bauern lebt vom Anbau von Cannabis, aus dem Haschisch und Marihuana hergestellt wird.

Zuletzt hatte es in dem Gebiet 1994 ein größeres Erdbeben der Stärke 6,0 gegeben. Das verheerendste Erdbeben in Marokko ereignete sich 1960 an der Atlantikküste. Dabei waren 20 000 bis 25 000 Menschen getötet und die heutige Urlauber-Hochburg Agadir zerstört worden.

Das Beben am Dienstag erschütterte auch die spanische Nordafrika- Exklave Melilla und war bis an die Costa del Sol in Südspanien zu spüren. In Melilla liefen viele Menschen in Panik auf die Straßen. In Spanien wurden jedoch keine Schäden registriert.

Auch die mazedonische Hauptstadt Skopje wurde am Dienstag durch ein Erdbeben erschüttert. Das Beben erreichte eine Stärke zwischen 4,5 und 5 auf der Richterskala. Berichte über Opfer und Schäden gab es nicht.

Am Montagabend hatte ein Erdbeben die Region zwischen Basel und Freiburg sowie Teile Ostfrankreichs erschüttert. Nach Angaben des Landesamtes für Geologie in Freiburg hatte das Beben um 18.31 Uhr einen Wert von 5,1 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag rund 100 Kilometer westlich von Basel bei Vesoul in Ostfrankreich. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand. Meldungen über Schäden gab es zunächst nicht.

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Hintergrund: Die internationale Richter-Skala

Mit der internationalen Richterskala werden Erdbebenstärken mit Hilfe von Instrumenten einheitlich bestimmt. Dabei gilt der angegebene Wert (die Magnitude) als Maß für die Bodenbewegung. Jeder Punkt auf der Skala bedeutet etwa eine Verzehnfachung der Stärke des Erdbebens. Es ist bislang weltweit kein Erdbeben der Stärke neun gemessen worden.

Es gelten folgende Kriterien für die Richterskala:

- Stärke 1-2: nur durch Instrumente nachweisbar.

- Stärke 3 : selten nahe dem Beben-Herd zu spüren.

- Stärke 4-5: im Umkreis von 30 Kilometern um das Beben-Zentrum spürbar mit leichten Schäden.

- Stärke 6 : mäßiges Beben, Todesopfer und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen.

- Stärke 7 : starkes Beben, das zu Katastrophen führen kann.

- Stärke 8 : Groß-Beben

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