"Wir haben für den Anfang nicht mit so einer großen Bereitschaft gerechnet", sagte Tauscher. Noch größer sollen die Aktionen heute ausfallen: Landesweit sollen rund 1500 Schulen bestreikt werden und damit bis zu 80 Prozent aller sächsischen Standorte. Darunter könnten allerdings auch Schulen sein, an denen nicht das ganze Kollegium, sondern nur einzelne Lehrer in den Warnstreik treten, sagte Tauscher. Zu einer Kundgebung vor dem Dresdner Finanzministerium werden mindestens 3500 Teilnehmer erwartet, die in rund 60 Bussen anrollen werden. Die Gewerkschaften fordern in der laufenden Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, und eine höhere Eingruppierung. Hinweise der Arbeitgeber auf die konjunkturelle Lage nannte GEW-Bundeschef Ulrich Thöne in Leipzig unglaubwürdig: "Die Arbeitgeber verhalten sich im Aufschwung und im Abschwung immer gleich: Geld ist für die Beschäftigten nie da." Der Tarifverantwortliche des Lehrerverbandes, Steffen Winkler, nannte es "absurd", dass wegen der schlechten Bedingungen in Sachsen immer noch viele Kollegen gen Westen gehen. "In sächsischen Lehrerzimmern soll ein frischer Wind wehen, und nicht der Geruch von Rheumasalbe und Herztropfen." An zahlreichen Schulen in Sachsen blieben gestern viele Schüler weg, Unterricht fiel oftmals aus. Kultusminister Roland Wöller (CDU) betonte jedoch, die Schulpflicht gelte weiter. "Die Schulen sind offen, es besteht Betreuungs- und Aufsichtspflicht." Er respektiere aber die Rechte der Lehrerschaft und hoffe auf einen baldigen Tarifabschluss. Die Auseinandersetzungen sollten "mit Augenmaß und nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden". Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, jedes Prozent Lohnerhöhung koste das Land etwa 40 Millionen Euro im Jahr. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) zeigte dagegen als Bundesvorsitzende der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Bildung Verständnis: "Es geht nicht an, dass bei jeder neuen Pisa-Studie Lehrer gelobt werden, wenn es aber um ihre gerechte Entlohnung geht, Mäßigung gefordert wird."