Sie zogen vor den Brandenburger Landtag, wo die Abgeordneten zu einer dreitägigen Sitzung zusammengekommen sind. Im Mittelpunkt der Debatte steht der Landeshaushalt für 2012. Er sieht Ausgaben in Höhe von gut zehn Milliarden Euro und eine Nettoneuverschuldung von 270 Millionen Euro vor. Aus Sicht der Opposition könnte und sollte die rot-rote Landesregierung auf neue Kredite verzichten. Zudem würden in dem Etat falsche Prioritäten gesetzt. Unter anderem soll im Bildungsbereich der Rotstift angesetzt werden.

Bildungsministerin Martina Münch (SPD) versicherte, dass Bildung im Land weiter Priorität habe: „In Zeiten, wo alle sparen müssen, ist es auch prioritär, dass im Bildungsbereich weniger gespart werden muss als in anderen.“ Der Bildungsetat mache immer noch einen großen Anteil im Landeshaushalt aus. Zudem habe die Regierung auf den Protest freier Schulen reagiert. Die Kürzungen werden 2012 um eine halbe Million Euro abgemildert, erklärte Münch am Rande der Proteste.

Mit 4,3 Millionen Euro weniger müssten freie Schulen 2012 auskommen. Das schnüre vielen die Luft ab. Auch die Hochschulen haben mit überfüllten Hörsälen und zu wenig Studienplätzen zu kämpfen. „Jetzt sollen noch einmal zwölf Millionen Euro wegfallen. Das ist ganz klar Wahlbetrug“, sagte Steffen Brumme vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss der Uni Potsdam. 2009 war noch die Rede von Investitionen in Wissenschaft, Forschung und Innovationen. „Heute schwingt Rot-Rot den Rotstift.“ Das könne man sich nicht mehr gefallen lassen, betonte Brumme. Dem stimmt auch der neue Präsident der Uni Potsdam, Oliver Günther, zu. „Junge Leute sind ein Wirtschaftsfaktor“, sagte er. „Die Kosten, die sie verursachen, werden teils sofort, jedenfalls aber langfristig kompensiert.“

Der Wirtschaftswissenschaftler forderte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) auf, seine Kürzungspläne zu überdenken. So sei die Rendite von Bildungsinvestitionen höher als offene Kreditzinsen. „Wenn ich zehn Millionen Euro in die Bildung investiere, führt das innerhalb von sieben bis zehn Jahren zu Steuereinnahmen von deutlich mehr als zehn Million en Euro“, so Günther.