Anders als sonst trugen mehrere hundert von ihnen an diesem Sonntag freilich ein Anliegen vor sich her. "Uns geht es um den Weitblick" oder auch schon mal "Wehret der Kulturzerstörung wie durch die Taliban" stand auf ihren Transparenten, mit denen sie vom Elbufer zur Dresdner Frauenkirche zogen - begleitet von Balkan-inspirierter Blasmusik der Dresdner Kapelle "Banda Communale".
Die Demonstranten trafen sich an der Stelle, die sich nach derzeitigem Stand demnächst in eine Baustelle verwandeln wird: In Höhe des historischen Brauhauses "Waldschlösschen" soll eine Brücke errichtet werden. Dadurch droht der im Juli 2004 verliehene Unesco-Welterbetitel für das Dresdner Elbtal wieder flöten zu gehen. Dies dürfte das Welterbekomitee im Juli beschließen, ein Jahr nachdem es das Elbtal wegen des Bauvorhabens auf die Rote Liste setzte.
Während Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) eine Titel-Aberkennung inzwischen als verkraftbar bezeichnete, wollen sich manche Dresdner damit nicht abfinden. Schon kurz nach dem Richterspruch des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts am 13. März zugunsten des Baubeginns formierten sie sich als Initiative "Welterbe erhalten: Jetzt!". An die Spitze der Bewegung stellten sich prominente Persönlichkeiten, darunter Startrompeter Ludwig Güttler.
Von den tatsächlichen Brückengegnern unterscheidet ihn seine bejahende Haltung zur Elbquerung, als die Dresdner im Februar 2005 zu einem Bürgerentscheid aufgerufen waren und den Brückenbau mit großer Mehrheit befürworteten - freilich unter der Annahme, dass er von der Unesco akzeptiert wird. Nachdem vor anderthalb Jahren klar wurde, dass dies nicht der Fall ist, hat Güttler seine Meinung geändert - ohne vollständig ins andere Lager zu wechseln.

Welterbetitel verpflichtet
Schon vor dem sonntäglichen Protest sprach Güttler davon, dass es sich weder um einen Protest der Brückengegner noch um eine Aktion gegen Brückenbefürworter handelt, sondern vielmehr um "eine Veranstaltung für alle Dresdner, die sich - in Liebe und Verantwortung für ihre Stadt - dem Erhalt des wertvollen Welterbetitels verpflichtet fühlen".
Güttler ist nicht der einzige Prominente aus der Dresdner Kulturszene, der zu dem Protestzug aufrief: Auch Schauspieler Rolf Hoppe, Staatsschauspielintendant Holk Freytag, Kreuzkantor Roderich Kreile sowie der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Martin Roth, haben sich öffentlich zum Erhalt des Unesco-Welterbes bekannt und gegen die Schaffung vollendeter Tatsachen durch den Beginn des Brückenbaus gewandt.

Gemüter in Wallung
Wem diese Liste von Kulturschaffenden noch nicht ausreichte, den motivierte ein anderer zur Teilnahme am politischen Elbspaziergang: CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU), entschiedener Vorkämpfer aus dem Lager der "Brückenbauer", brachte viele Gemüter vor wenigen Tagen in Wallung. In einem offenen Brief warf er den Initiatoren des Protestes vor, damit "eine Kulisse der Einschüchterung" schaffen zu wollen und die Stadt Dresden offen zum "Rechtsbruch" aufzurufen. Sie würden "fundamentalistische Kampfparolen" benutzen und sollten besser "wieder herunter von den Bäumen" kommen, "auf die Sie in Ihrer Eitelkeit, Ihrem Unfehlbarkeitsdünkel und Ihrer Anmaßung geklettert sind".
Der Intendant der Dresdner Musikfestspiele, Dirigent Hartmut Haenchen, reagierte sofort auf den Brief: Er erklärte seinen Austritt aus der CDU.