Zum zweiten Mal war Forst (Spree-Neiße) in diesem Jahr die Mittelalter-Hochburg der Lausitz. Das "Johannes Gaudium" hat mehr als 2000 Besucher angezogen. Aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und vielen Teilen der Lausitz reisten Menschen an. Ein Teil davon selbst in historischer Gewandung.

Der Forster Mittelalter-Verein sorgte dafür, dass Gestalten aus der 750-jährigen Geschichte der Stadt wie der erste Statthalter Johann von Bieberstein, Graf Heinrich von Brühl oder der Raubritter Nickel von Rothe ihren Auftritt hatten. Die Organisatoren vom Kulturverein "Manitu" um Aimo Bartel sahen ihr Konzept bestätigt. Freizeit-Historiker haben nicht nur in der Lausitz Zulauf. "Gerade diese Historiengeschichte kann man gut darstellen und damit auch mehr Besucher nach Forst locken", sagt Aimo Bartel der RUNDSCHAU.

Wenn sich drei Deutsche treffen, gründen sie einen Verein. Dieses Vorurteil stimmt nicht - vor allem, weil man mindestens sieben Mitglieder für einen eingetragenen Verein braucht. Umso erstaunlicher, dass einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Yougov zufolge 40 Prozent der Deutschen Vereinsmitglieder sind. Zu der großen Mehrzahl der Sportvereine gibt es allerdings auch viele Alternativen - nicht nur Mittelalter-Freunde.

Bei der Sportart Jugger etwa ist der Ball ein Hundeschädel. Die Spieler sind mit Lanze oder Morgenstern bewaffnet und versuchen damit, die Gegner vom Punkten abzuhalten. "Alles völlig ungefährlich", versichert ein Jugger-Begeisterter. Es handle sich um gepolsterte Sportgeräte und nicht um Waffen.

Mit Geschichte befasst sich der Verein C-Base: Die Mitglieder gehen davon aus, dass unter Berlin ein 4,5 Milliarden Jahre altes Raumschiff liegt - und der Fernsehturm die Antenne davon sei. Die ersten Vereinsmitglieder schlossen sich im Jahr 1995 zusammen. Sie bauten die C-förmige Raumstation auf etwa 700 Quadratmetern in Berlin-Mitte detailreich nach: eine Computermaus dient als Klingel, der Getränkeautomat ist computergesteuert und beim Betreten der Raumstation müssen die Besucher zunächst einen leuchtenden Tunnel durchqueren.

Historienvereine wie in Forst boomen in Brandenburg. Vielerorts gibt es Spektakel auf Mittelaltermärkten oder nachgestellte Schlachten. "Wir versuchen, fundierte Recherche mit Unterhaltung zu verbinden", erklärt Holger Herzog, Vorsitzender des zwölf Mitglieder zählenden Vereins Trivium aus Bernau. Bei den Kostümen habe sich der Verein auf das Jahr 1432 festgelegt. Damals war es den Bernauern gelungen, Angriffe der Hussiten, einer reformatorischen Bewegung aus Böhmen, erfolgreich abzuwehren. Jetzt gestalten sie das jährliche Hussitenfest der Stadt mit

Die 40 Mitglieder des Semnonenbundes aus Nauen schlüpfen in die Rollen der Angehörigen eines vor über 2000 Jahren in der Mark ansässigen Germanenstammes, der Semnonen. Der gemeinnützige Verein existiert seit 2003. Vereinsvorstand Rico Krüger erläutert, dass der Verein auch Vorträge zur Vor- und Frühgeschichte Berlin-Brandenburgs an Schulen hält.

Toleranz, Hilfsbereitschaft und jede Menge Spaß an der Sache prägen den Country-Club Brandenburg/Havel. Heimatverbunden ist dieser nur bedingt, denn die Herzen der 40 Mitglieder schlagen für das Amerika des 19. Jahrhunderts, wie Vereinsvorstand Frank Paul sagt. Seit über 20 Jahren treffen sich die Countrymusikfans und Mitglieder eines ehemaligen Countryclubs aus DDR-Zeiten, um traditionelle Tänze zu pflegen und Schießen mit Vorderladern zu üben.

Das 19. Jahrhundert, beziehungsweise die Zeit der Napoleonischen Kriege, fasziniert die 40 Mitglieder des Vereins Kurmärkische Landwehr aus Großbeeren. In original Landwehruniformen rücken sie zu Manövern oder europaweit zu Nachstellungen historischer Schlachten wie die bei Waterloo, Leipzig oder Großbeeren aus.

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Die Bandbreite der Vereine in Sachsen reicht vom Klassiker wie dem Chor bis hin zu kuriosen Zeitgenossen, die Mondfahrzeuge für die Nasa basteln. Der Verein mit dem wohl schwierigsten Namen residiert in Pausa und heißt "Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission". Die zwölf Damen und Herren wachen über ein knapp ein Meter langes Metallrohr, das die Erdachse darstellen soll. Die Mitglieder warten als Fremdenführer mit Geschichten auf, wie Pausa zum Mittelpunkt der Erde avancierte.Musterungen, Exerzierübungen und gespielte "Hinrichtungen" sind beim Verein "Lange Kerls Bautzen" an der Tagesordnung. Zehn Männer in schnittigen rot-weiß-blauen Uniformen gehören zum Verein und treten als Garde bei Hochzeiten, Umzügen und Festen auf.Zu den großen Vereinen gehört der Sächsische Chorverband mit rund 8000 Mitgliedern. Zwar kämpft der Verband mit Überalterung, noch aber kommen jedes Jahr genügend junge Laiensänger nach, sodass die Mitgliederzahlen stabil sind.Das in Leipzig beheimatete International Space Education Institute will junge Leute ab zehn Jahren für Raumfahrt und Ingenieurswissenschaften begeistern. So bauen die Schüler Mondfahrzeuge (Moonbuggy) und nehmen damit am Nasa-Wettbewerben teil.