Erinnert sei an diverse Spiel- und Talkshows oder nur an Werner Höfers "Internationaler Frühschoppen".
Heute erhalten Serien wie "Marienhof", "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" oder "Soko Leipzig" ein Rauchfrei-Siegel der Deutschen Krebshilfe, weil sie ohne Glimmstängel auskommen. Geht es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), soll die Zigarette im deutschen Film und Fernsehen möglichst bald noch verpönter sein.
Bätzing präsentierte gestern in Berlin eine Studie des Instituts für Gesundheitsforschung in Kiel. Ergebnis: In Dreiviertel von 409 Top-Kinofilmen, die in den Jahren 1994 bis 2004 erstmals über die hiesigen Leinwände flimmerten, wurde geraucht. Doppelt so häufig wie in ausländischen Produktionen sah man in heimischen Filmen den blauen Dunst - "vor allem auch in Filmen für Kinder", beklagt Bätzing. Die Forscher fanden heraus, dass in 86 Prozent der Streifen ohne Altersbeschränkung oder aber freigegeben ab sechs Jahren gequalmt wurde.
Im Fernsehen stellt sich das neblige Bild nicht anders dar: Die Experten führten sich 352 Stunden Programm von ARD, ZDF, RTL und Pro 7 zu Gemüte. Und dazu die Folgen von 20 Jahren "Ein Fall für Zwei". In 45 Prozent der Sendungen kamen Tabaksequenzen vor, ob durch aktives Rauchen oder nur durch das Hantieren mit Zigaretten. Die Drogenbeauftragte fürchtet vor allem die Nachahm-Effekte, wenn Kinder und Jugendliche rauchende Stars sehen. Wer viele Filme mit qualmenden Schauspielern sehe, "beginnt früher mit dem Rauchen. Das ist ein Rollenmuster, das kopiert wird", glaubt Bätzing. 20 Prozent der zwölf bis 17-Jährigen greifen zum Glimmstängel, im Jahr 2000 waren es noch 28 Prozent. Bätzing will die Quote bis 2009 auf 17 Prozent drücken. Deshalb ihre Initiative.
Man stelle sich Humphrey Bogart ohne Zigarette in "Casablanca" vor, oder "Der Pate" ohne Zigarre. Geht das? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man mit dem Tabak in Film und Fernsehen umgehen kann: Bei DVD-Produktionen aus Hollywood sollen künftig bei Raucherszenen Warnhinweise eingeblendet werden; auch wird in den USA das Qualmen bald eingestuft werden wie Sex- oder Gewaltszenen, berichtet der Kieler Forscher Reiner Hanewinkel: "Die Altersbeschränkung steigt dann nach oben." In England werden zurzeit die alten "Tom und Jerry-Cartoons" rauchfrei gemacht. Und in indischen "Bollywood-Filmen" ist die "Kippe" gänzlich verboten.
Die Bundesbeauftragte Bätzing aber hofft, im kommenden Jahr auf eine freiwillige Vereinbarung mit der Film- und Fernsehwirtschaft, um die Zigarette möglichst oft von Leinwand und Mattscheibe zu verbannen - analog der freiwilligen Regelungen mit der Gastronomie. Wie man in diesem Bereich mit dem Nichtraucherschutz weiter verfahren will, will die Koalition heute erneut beraten.