Wenn man eins vom Bremer Tatort kaum erwarten darf, dann ist das Spannung. Und prompt, kommt aus der Nordstadt ein Krimi, der - bei aller Realitätsferne - in der Tat spannend war. Gut, der eine oder andere Fehler hatte sich eingeschlichen, etwa Stedefreund, der 2005 nicht so aussah, wie er am Sonntagabend 2005 ausgesehen haben soll. Oder der alkoholkranke Vater, der sich in der Sicherungsverwahrung aufhängt. Hatte da jemand vergessen, ihm den Gürtel abzunehmen? Oh oh. Aber das ist kleinkarierte Meckerei, wo es doch so viel zu loben gibt. Inga Lürsen alias Sabine Postel zum Beispiel, die zwar von allen Seiten unter Beschuss steht und allen Grund hat, mit sich und der Welt zu hadern, sich aber trotzdem nicht so ins Zentrum spielt, dass sich die 90 Minuten nur noch um sie drehen. Und ganz besonders Gro Swantje Kohlhof, die als vermeintlich verlorene Tochter Fiona Althoff eine verdammt gute Arbeit abgeliefert hat. Und das Drehbuch - wem genau sollten wir denn als Zuschauer jetzt böse sein? Der 21-jährigen Betrügerin? Der verzweifelten Mutter? Dem unschuldig eingesperrten Vater? Dem essgestörten Sohn, der im Spiel seine Schwester getötet hat? So wirklich abgrundtief schlecht war keiner der Figuren, und das hat den Tatort noch einmal ein Stück besser gemacht. Gut, dieser lange Lulatsch mit den strähnigen Haaren war in der Tat nicht gerade ein Sympathieträger. Aber der war ja auch nur Beiwerk. Und hat wohl am Ende selbst gemerkt, dass es auch ohne ihn geht. Kompliment, liebe Bremer, das war ein spannender Sonntagabend.