Er hat fast mein gesamtes berufliches Leben geprägt", sagte Thieme gestern. "Emotional ist es schlimm. Aber rational betrachtet ist es eine Gnade, dass man als Mann so alt werden darf."

Thieme hatte Genscher nach eigenen Angaben bereits zu DDR-Zeiten kennengelernt: Im Juni 1976 begrüßte er ihn im damaligen Interhotel Halle zum ersten Mal. Als der heute 66-Jährige später wechselte und die Leitung des Dorints Charlottenhof übernahm, blieb Genscher sein Gast - und das Haus durfte sich als dessen "Lieblingshotel" bezeichnen. Zudem trägt eine Suite Genschers Namen - und stand dem prominenten Gast zur Verfügung, wann immer er seine Heimat besuchte.

Mehr als 100-mal sei das der Fall gewesen, so Thieme. Oft kam Genscher in Begleitung politischer Prominenz. Er fühlte sich Halle verbunden und wollte die Stadt nach der Wiedervereinigung voranbringen.

Genscher war 1927 in Reideburg geboren worden, das seit 1950 zu Halle gehört.

Auch die Stadt Halle trauert um ihren Ehrenbürger Hans-Dietrich Genscher. Ab Montagvormittag werde ein Kondolenzbuch ausgelegt, sagte ein Sprecher der Stadt gestern. Der genaue Ort werde noch bekannt gegeben. Genscher fühlte sich Halle sehr verbunden und wird dort hoch geschätzt. 1991 wurde der Liberale Ehrenbürger der Stadt an der Saale. Sein Geburtshaus wurde 2009 zur "Bildungs- und Begegnungsstätte Deutsche Einheit". "Wir wollen das Haus nutzen, um jungen Menschen das zu sagen, was man aus der Geschichte lernen kann", hatte Genscher zur Eröffnung gesagt.