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Horror-Jahr für den Lufthansa-Chef

Wenn heute in Hamburg die Aktionäre der Deutschen Lufthansa AG zusammenkommen, erwartet niemand Jubel und Frohsinn. Die Hauptversammlung steht unter dem Eindruck des mit 150 Toten schlimmsten Flugzeugunglücks in der Geschichte des Unternehmens, dem vom Co-Piloten herbeigeführten Absturz eines Germanwings-Airbus. dpa/sm

Auch die wirtschaftliche Lage des größten Luftverkehrskonzerns Europas taugt nicht als Stimmungsaufheller. Das Management um den vor einem Jahr angetretenen Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr hat den Aktionären die Dividende gestrichen, weil nach deutscher Rechnungslegung (HGB) im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 ein Verlust von 732 Millionen Euro aufgelaufen ist. Nach internationaler IFRS-Lesart steht gerade noch ein kleiner Gewinn von 55 Millionen Euro bei einem unveränderten Umsatz von rund 30 Milliarden Euro.

Spohr hat an die Stelle des technokratischen, alle Konzerneinheiten umfassenden Sparprogramms seines Vorgängers Christoph Franz eine Strategie mit dem Titel "Our Way Forward" gesetzt. Es geht ihm darum, die Kernmarke Lufthansa zu einem absoluten Premium-Anbieter umzubauen, der mit einem 5-Sterne-Ranking des Fachmagazins "Skytrax" höchsten Ansprüchen genügt. Für die breite Masse der Passagiere soll es eine auf Wachstum ausgerichtete Billig-Plattform namens Eurowings geben. In diesem Konstrukt soll auch die Airline Germanwings aufgehen. Dass ihr Name bereits im Herbst aus Werbung und Buchungssystemen verschwindet, war aber bereits vor dem Absturz von 4U9525 geplant.

Offen ist die Frage, ob das Top-Management die Belegschaft auf dem Weg vorwärts mitnehmen kann. Die Krise bietet möglicherweise dazu die Chance, zumal Spohr im Krisen-Management vieles richtig gemacht hat. Insbesondere die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat sich bislang mit Macht gegen die Billig-Strategie gesträubt, hat für die Privilegien der Piloten bereits zwölfmal gestreikt und dem Unternehmen weit über 200 Millionen Euro Schaden zugefügt.

Der härteste Tarifkonflikt in der nun 60-jährigen Geschichte der Kranich-Linie ist alles andere als beigelegt, er ruhte nur aus Respekt vor den Absturzopfern.