Der Vorsitzende Richter lässt nichts unversucht, doch noch die Tür zu einer gütigen Einigung aufzustoßen. Ob er sich nicht doch noch vorstellen könnte, dass es zu einer Einigung mit dem Braunkohlebergbau kommt, fragt Andreas Koark zu Beginn der gestrigen Verhandlung Werner Domain. Doch der 70-Jährige schüttelt nur den Kopf.

Er und seine Frau wollen Haus und Garten an der Kante des Tagebaus Jänschwalde nicht verkaufen. Die Förderbrücke soll um sie einen Bogen machen, auch wenn ihr Haus das Einzige ist, das von Horno noch steht. Das Landesbergamt hatte im vorigen Sommer die Enteignung der umsiedlungsunwilligen Domains verfügt und Anfang diesen Jahres die Räumung des Hauses im Oktober angeordnet. Dagegen hat das Rentnerehepaar geklagt.

Ihr Fall sei extrem, das sagt auch ihr Anwalt Dirk Teßmer. Die Eheleute sind alt, haben keine Kinder, aber eine tiefe Verwurzelung in Horno. "Das Haus, in dem er geboren wurde, zu erhalten, ist Werner Domain wichtiger als das Leben in einer Dorfgemeinschaft", sagt Teßmer. Die Dorfgemeinschaft ist nach langem vergeblichen Kampf gegen den Tagebau vor zwei Jahren fast geschlossen an den Stadtrand von Forst gezogen.

Vor dem Verwaltungsgericht wurde gestern zunächst zwischen dem Anwalt der Domains auf der einen und den Vertretern von Landesbergamt und Vattenfall auf der anderen Seite darüber gestritten, ob das Bergrecht gegen die Verfassung verstößt und ob eine Klausel im Einigungsvertrag mit europäischem Recht vereinbar sei. Fragen, die nach Auffassung des Gerichts durch die Rechtssprechung geklärt sind.

Gegen Mittag kam dann das zur Sprache, was vermutlich das Schicksal der Domains entscheiden wird: die Abwägung der Interessen der Betroffenen gegen die Interessen des "Gemeinwohls". Domains Anwalt wollte das an sehr weit reichenden Auswirkungen gemessen wissen. Wäre zum Beispiel die Stromversorgung in Deutschland gefährdet, wenn das Kraftwerk Jänschwalde nicht mehr genug Kohle bekäme, weil der Tagebau Domains Haus stehen lassen muss?

"Es geht nicht darum, ob ohne Jänschwalde das Licht ausgeht", widersprach ihm Professor Bernd Dammert, Anwalt von Vattenfall, vehement. Einziger Maßstab für eine Abwägung Tagebau gegen Domain-Haus könnten die Prüfkriterien des Bergrechtes für einen Zwangsverkauf sein. Dort sei von "wirtschaftlich und technisch sachgemäßer Betriebsführung" die Rede.

Ob die bei einer Umfahrung noch gegeben ist, sollte die Zeugenvernehmung des Abteilungsleiters Tagebauplanung von Vattenfall klären helfen. Der erläutert die drastischen Folgen eines Schwenks von Vorschnitt, Abraumförderbrücke und Kohlegewinnung um das letzte Hornoer Haus: mindestens 40 Millionen Euro Verlust pro Jahr allein im Tagebau. Dazu kämen noch Verluste aus dem Rückgang der Stromproduktion.

Werner Domain lässt sich davon nicht beeindrucken: "Dass die den Tagebau stilllegen, wenn die mich nicht abbaggern dürfen, ist nur eine Drohung." Vattenfall habe im vorigen Jahr 250 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Einbußen bei einer Umfahrung seien ja nur vorübergehend, etwa vier Jahre lang. In einem persönlichen Schlusswort spricht er von einer "Kohlelüge" und dass unter Horno kaum Kohle liege. Das Gericht wird seine Entscheidung erst in einigen Tagen bekanntgeben.