Alle zwei Jahre misst das Umweltbundesamt das ökologische Bewusstsein der Deutschen und stellt in der Regel fest, dass es stetig besser wird. Allerdings hält das reale Verhalten damit nicht immer Schritt. Bei der jüngsten Erhebung wurde eine hohe Bereitschaft ermittelt, Gebrauchsgegenstände und sogar das Auto mit anderen zu teilen.

Dem will die Bundesregierung nun per Gesetz nachhelfen. Carsharing ist bisher ein Phänomen der Großstädte. In Berlin beispielsweise stehen den Kunden mehr als 2000 frei abstellbare Fahrzeuge von Anbietern wie Car2go oder Drive-now zur Verfügung und ersetzen rund 20 000 normale Autos.

Andere Anbieter wie die Bahn-Tochter Flinkster sind auch in kleineren Städten vertreten und haben feste Entleih- und Rückgabestationen, etwa an Bahnhöfen. Laut der aktuellen Umfrage, die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Montag in Berlin präsentierte, haben bisher lediglich vier Prozent der Bundesbürger mit Carsharing schon Erfahrungen gemacht, aber weitere 21 Prozent könnten sich das vorstellen. Das, so die Ministerin, sei das Potenzial.

Die Bundesregierung will es mit einem Carsharing-Gesetz besser erschließen. Vor allem die Park-Fragen sollen besser geregelt werden. Die Anbieter stationärer Leihautos benötigen zentrale Flächen in den Städten. "Nutzen statt Besitzen" ist auch bei anderen Gegenständen, etwa Gartengeräten oder Werkzeugen, ein Thema. 74 Prozent der Bürger gaben an, anderen so etwas schon verliehen oder von ihnen bekommen zu haben; 34 Prozent nutzen kommerzielle Leihangebote.

Vor allem bei den jüngeren Befragten liegt das Teilen sehr im Kurs. Ohnehin gibt es im Alltag der Deutschen ein relativ hohes Umweltbewusstsein. So verzichten 62 Prozent immer oder sehr häufig auf Plastiktüten, 72 Prozent kaufen lieber ein hochwertiges als ein kurzlebiges Produkt. Allerdings ist der Wunsch manchmal stärker als die Wirklichkeit.

Knapp über 70 Prozent aller 2117 online befragten Bürger sagen, sie kauften immer oder fast immer energieeffiziente Haushaltsgeräte und Leuchtmittel. Doch liegen die Marktanteile der entsprechenden Kühlgeräte, Geschirrspüler und Birnen real alle nur um die 50 Prozent.

Auch gesunde Ernährung ist ein Thema. 20 Prozent geben an, immer oder fast immer Bioprodukte zu kaufen, bei Fisch aus nachhaltiger Fischerei sind es sogar 38 Prozent. Trost für die Grünen: Ihr umstrittener Veggie-Day, ein fleischloser Tag pro Woche, wird von 95 Prozent der Bürger laut der Umfrage schon praktiziert. Denn nur fünf Prozent gaben an, wirklich täglich Fleisch zu essen, 24 Prozent belassen es sogar bei nur einmal pro Woche oder seltener.

Umweltschutz gilt den meisten, 56 Prozent, als grundlegende Bedingung um den Wohlstand zu sichern, wird also nicht mehr als Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg gesehen.

Ministerin Hendricks sprach deshalb von einem "spannenden Wandel des Umweltbewusstseins". Was sie in der Pressekonferenz allerdings nicht erwähnte: Die Zufriedenheit der Bürger mit der Bundesregierung als Akteur im Umwelt- und Klimaschutz ist drastisch eingebrochen, von 46 Prozent im Jahr 2012 auf nur noch 34 Prozent im vergangenen Jahr.

Die komplette Studie unter: www.umweltbundesamt.de