Seit der Ermordung des tschetschenischen Präsidenten Achmat Kadyrow 2004 ist dessen Sohn Ramsan Schritt für Schritt zum neuen starken Mann seiner Heimat aufgestiegen. Der 30-jährige Kadyrow junior befehligt eine Leibgarde aus mehreren tausend Mann, die sich zu einem großen Teil aus früheren Rebellen rekrutiert. Kritiker legen Kadyrows Garde Morde und Folter zur Last. Der in seiner Heimat ebenso gefürchtete wie verehrte Kadyrow genießt das Vertrauen des russischen Staatschefs Wladimir Putin.
Mit Kadyrow an der Spitze Tschetscheniens ist es dem Kreml gelungen, vor der Präsidentenwahl 2008 das Risiko einer erneuten Eskalation der Gewalt im Nordkaukasus zu mindern. Im ersten Tschetschenienkrieg Mitte der 1990er-Jahre hatten Vater und Sohn Kadyrow noch in den Reihen der Rebellen gegen russische Einheiten gekämpft. Zu Beginn des zweiten Krieges wechselte der Kadyrow-Clan 1999 die Seiten.
Als Regierungschef habe er Tschetschenien zur friedlichsten Region Russlands gemacht, behauptet Kadyrow junior - ungeachtet der andauernden Bombenanschläge islamistischer Extremisten. Kritiker sagen Konflikte mit dem Kreml voraus, da er die Gewinne aus den tschetschenischen Ölvorkommen nicht mehr an Moskau abtreten will.
Für seine Anhänger verkörpert Kadyrow in dem von Clanstrukturen beherrschten Nordkaukasus die Hoffnung auf Frieden, Stabilität und Wiederaufbau. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch halten dagegen, unter ihm seien Morde, Entführungen und Folter weiterhin an der Tagesordnung. Auf der Suche nach den Mördern der Journalistin Anna Politkowskaja fällt immer wieder auch der Name Kadyrow. Politkowskaja hatte den bisherigen tschetschenischen Regierungschef scharf kritisiert und Opfern von Verfolgung und Gewalt eine Stimme gegeben.
Der Politiker, der anfangs selbst von einfachsten Journalistenfragen überfordert schien, hat an seinem Image gearbeitet. Bis heute tritt er aber in der Öffentlichkeit am liebsten im Trainingsanzug auf. Der gemäßigte Muslim bleibt eine widersprüchliche Figur. Einerseits begrüßt er die Scharia, das islamische Rechtssystem, und fordert Frauen zum Tragen eines Kopftuches auf. Andererseits amüsiert er sich auf Miss-Tschetschenien-Wahlen, bei denen er Dollarnoten auf die tanzenden Schönheiten regnen lässt. (dpa/uf)