Ein hessischer Geschäftsmann will die marode Anlage kaufen. Geschätztes Investitionsvolumen: Drei Millionen Euro.
"Manche kaufen Gold, ich kaufe die Rennbahn. Dass ich durch die Verpachtung der Gastronomie reich werde, ist utopisch. Vielmehr sehe ich die Immobilie als strategische Wertanlage", sagt Interessent Wolfgang Kaiser.
Am 7. Mai wird die Rennbahn 140 Jahre alt. Bis dahin soll die Entscheidung gefallen sein. "Wenn wir in diesem Jahr keine Lösung finden, gehen die Lichter im nächsten Jahr aus", befürchtet der Präsident des Leipziger Rennclubs, Jörg Scheibner.
Im Sommer 2004 will Kaiser die sanierte Tribüne präsentieren. Das Ziel des 49-jährigen Wiesbadeners ist es, mit dem Leipziger Rennclub neue Sponsoren anzulocken und die Leipziger Galoppsport-Tradition vor dem Aus zu bewahren. "Wir müssen das Ambiente der gesamten Anlage neu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Tribüne", erklärt Kaiser. "Wenn dies gelingt, kommen Porsche und BMW von ganz allein", glaubt er.
Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Derzeit kämpfen ABM-Kräfte gegen den endgültigen Zerfall der Tribüne. Nichts erinnert derzeit an die glorreiche Historie der Galopprennbahn Anfang des vergangenen Jahrhunderts. "Für Leipzig war es jedes Mal ein kultureller Höhepunkt", sagt Bernd Schirm, Sekretär des Rennclubs. Damals besuchten durchschnittlich 15 000 Menschen die Renntage. So viele werden nur noch zum traditionellen Eröffnungsrennen am 1. Mai erreicht, ansonsten kommen durchschnittlich 2000 Besucher.
Dass sich neben Kaiser weitere Kaufwillige melden, glaubt Scheibner nicht. Seit fast anderthalb Jahren ist er auf der Suche nach potenziellen Investoren. Sogar vor dem Pferdesport begeisterten Dubai machte der 67-Jährige nicht halt. "Doch immer, wenn wir einen Vorvertrag oder eine Absichtserklärung vorgelegt hatten, verabschiedeten sich die möglichen Käufer."
Die vorerst letzte Absage nach einem ständigen Hin und Her bekam der Reiseunternehmer von einem italienischen Konsortium im Februar. Die ausländischen Geldgeber wollten auf der Anlage ein Hotel und einen Golfplatz zu bauen. Einen Golfplatz wollte zuvor bereits die Paragon Golf Akademie dort errichten. Passiert ist aber nichts. Die Verhandlungen mit Kaiser sind für Scheibner nun aber so gut wie abgeschlossen. "Mit ihm setzen wir auf das Pferd, das Erfolg bringt."