Die Bahn ist nun doch gesprächsbereit. Mitte Dezember wollen sich Bahn-Vertreter mit den Chemnitzer Viadukt-Freunden an einen Tisch setzen. Bei diesem Erörterungstermin sollen noch mal die Argumente beider Seiten gehört werden, heißt es aus der Landesdirektion. Die Behörde ist für das Planungsverfahren zuständig und muss eine Bauvariante empfehlen.

Geplant wird seit Frühjahr an dem Projekt, das Chemnitz wieder an den Fernverkehr anschließen soll. Schon im Vorfeld kochte der Ärger hoch in der Stadt, als bekannt wurde, dass das Viadukt weichen soll.

In einer Online-Petition unterschrieben 7000 Leute dafür, die alte Brücke lieber zu ertüchtigen, statt abzureißen. Chemnitzer Bundestagsabgeordnete schrieben zusammen einen Protestbrief an die Bahn. Die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) versuchte es mit mehreren Vorstößen. Sie sei überzeugt, "dass auch bei Sanierung des bestehenden Brückenbauwerks die notwendigen Parameter für die Trasse erreicht werden können", schrieb Ludwig Anfang Februar an Grube. Das Bauwerk besitze "in der Bürgerschaft von Chemnitz einen außerordentlich hohen Stellenwert".

Ludwig (SPD) lud Bahnchef Rüdiger Grube zum Gespräch ein, Grube ließ die Einladung unbeantwortet. Er ließ nur per Brief ausrichten, dass alles laufen solle wie geplant.

Chemnitz soll eine neue Fernverkehrsanbindung bekommen. Die Brücke muss dafür weichen. Bis Ende Februar reichten eifrige Brückenfreunde Widersprüche zum Planungsverfahren ein.

Sachsens Metropole Nummer drei droht, ein Denkmal und ein Wahrzeichen zu verlieren. Die Brücke, die im Stadtgebiet über zwei Straßen und den Fluss Chemnitz führt, ist ein Stahlungetüm aus dem Industriezeitalter mit zwölf Bögen. Einst führten vier Gleise darüber, heute sind noch zwei geblieben. Die Chemnitzer lieben ihr Viadukt, weil es für die Industriegeschichte der ganzen Region steht, und weil es als Rest des alten Chemnitz den Krieg überlebt hat.

Vor zehn Jahren verlor Chemnitz den Anschluss an den Fernverkehr. Seitdem fahren in und um die selbst ernannte Stadt der Moderne nur noch Regional- und Bummelzüge. Eine solche verkehrspolitische Degradierung ist für eine Großstadt schwer zu verkraften - und ist auch bundesweit einmalig. Damit das nicht so bleibt, will die Bahn zeitnah wieder IC-Züge durch Chemnitz leiten. Ab 2022 die der Linie Rostock-Berlin-Dresden-München - zehn Jahre später dann auch in Richtung Aachen.

Dafür das Viadukt zu sanieren, würde 20 Millionen Euro kosten, argumentiert die Bahn - Abriss und Neubau wären schon für 12,3 Millionen zu haben. Ganz zu schweigen von den 300 000 Euro an jährlichen Unterhaltskosten für das Viadukt.

Den Abriss noch abwenden kann nur das Eisenbahnbundesamt. Dort läuft das Planrechtsverfahren aber schon seit einem Jahr. Das Stadtforum Chemnitz hat trotzdem Hoffnung, dass das geplante Gespräch noch etwas bringt.