Nach dem Start der neuen Planung des Ärztenetzes in Deutschland fordern die Krankenkassen verstärkte Bemühungen gegen die ungleiche Verteilung der Mediziner. Nicht nur der Ärztemangel auf dem Land, auch die Überversorgung in attraktiven Stadtbezirken müsse angegangen werden, so die Kassen. Die Allgemeinmedizin müsse gestärkt werden. "Eine neue Planung allein löst die Probleme nicht", sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, in Berlin.

Anfang des Jahres trat die neue Richtlinie zur Ärzteplanung in Kraft. In den kommenden sechs Monaten wird sie nun in den Bundesländern regional umgesetzt. Damit wird sich die Zahl der freien Hausarztstellen in Brandenburg und Sachsen noch erhöhen, so Ralf Herre, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg.

Denn die Planung werde kleinräumiger und beziehe regionale Besonderheiten mit ein. "Damit können wir die regionale Verteilung der Hausärzte besser steuern", so Herre.

Zurzeit sind in Brandenburg 120 und in Sachsen 371 Hausarztsitze frei. Beide Bundesländer versuchen bereits seit Jahren, mit Stipendien und vielen anderen Anreizen Landärzte in schlecht versorgte Gebiete zu locken und junge Mediziner für eine Facharztausbildung Allgemeinmedizin zu gewinnen.

Die neue bundesweite Ärzteplanung sieht nun vor, dass es 3000 garantierte Möglichkeiten zur Praxiseröffnung für Hausärzte in Deutschland gibt, viele davon auf dem Land. Spezialisierte Ärzte haben hingegen weniger Niederlassungsmöglichkeiten. Große Städte wie Hamburg und Berlin sind für neue Ärzte weitgehend gesperrt. Es werden aber zunächst keine Praxen dort geschlossen, wo es viele Ärzte gibt, wenn neue Praxen in Mangelregionen eröffnet werden. Von den mehr als 150 000 niedergelassenen Ärzten in Deutschland gehen über 40 000 in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Thema des Tages Seite 3