Viele Christdemokraten reisen daher mit großen Erwartungen an die Rede Milbradts nach Mittweida. Dies bestätigen besonders die kritischen Geister unter den Kreisvorsitzenden. "Die Basis hat Fragen und erwartet Antworten", sagt der Kreischef von Torgau-Oschatz, Frank Kupfer. "Georg Milbradt muss erklären, wie die CDU aus ihrem Tief wieder herauskommen soll. Die schlechten Umfragen sprechen Bände." Die Parteifreunde vor Ort erhofften, dass Milbradt ihnen "Licht am Horizont" aufzeigt und die Weichen für ein gutes Wahlergebnis 2009 stellt, so Kupfer. Bei der geplanten Kabinettsumbildung müsse Milbradt einen radikalen Schnitt machen und eine junge, unverbrauchte Mannschaft präsentieren. Eine mächtige Watsche für Milbradt befürchtet Kupfer indes nicht. "Wenn es darauf ankommt, steht die CDU geschlossen."
Ein "solides Ergebnis" statt unangenehmer Überraschungen erwartet auch der Kreischef des Weißeritzkreises, Roland Wöller. "Die CDU muss jetzt zusammenhalten und dem Ministerpräsidenten den Rücken stärken”, sagt Wöller. Dazu müsse allerdings auch Milbradt selbst beitragen: "Eine Kabinettsumbildung ist richtig, aber es muss sich substanziell etwas ändern." Dazu gehöre ein besseres Krisenmanagement, mehr interne Kommunikation und die Kooperation mit der kommunalen Ebene. "Es wäre falsch, sich über den Parteitag zu retten und dann nur kosmetische Korrekturen vorzunehmen. Georg Milbradt hat es in der Hand und wir wollen ihn dabei unterstützen", so Wöller.
Rückenwind dürfte aus dem Kreisverband Kamenz-Hoyerswerda kommen. Dessen Kreischef ist schließlich Umweltminister Stanislaw Tillich. Nachdem Milbradt durch den Notverkauf der Landesbank, die angebliche Korruptionsaffäre und den Ärger in der Koalition auch parteiintern unter Beschuss geraten war, will die Parteispitze von Mittweida aus ein Signal der Stärke und Stabilität senden. Bei der seiner letzten Vorsitz-Wahl vor zwei Jahren hatte Milbradt nur 76,9 Prozent erhalten, 2003 waren es dagegen noch 90 Prozent. Zudem ist die Partei in Umfragen auf Werte um die 38 Prozent abgesackt, obwohl sie zur letzten Landtagswahl noch 41 Prozent erhielt.
Auf volle Unterstützung darf der Regierungschef aus der Landeshauptstadt hoffen. "Unsere 18 Stimmen werden geschlossen für Georg Milbradt sein", sagt der Dresdner Kreischef Lars Rohwer. "Die Leute wollen ein starkes Ergebnis. Man muss auch in schlechten Zeiten zusammenstehen."
Ähnlich sieht es auch in Leipzig aus. "Wir haben Milbradt schon im Juni nominiert und stehen dazu", sagt Leipzigs CDU-Kreischefin Christine Clauß. Zwar gebe es in der Regierung Vermittlungsprobleme. "Doch wir sollten uns lieber mit dem politischen Gegner befassen", sagt Clauß, die auch CDU-Vize ist. Die Menschen seien interne Kleinkriege leid.