Auf den Feldern der Region hat die Frühjahrsbestellung begonnen. Das Wintergetreide und der Winterraps zeigen seit den ersten warmen Tagestemperaturen frisches Grün und entwickeln sich. Mit der Frühjahrsbestellung kommen nun auch die klassischen Sommergetreide als ergänzende Kultur für Futterzwecke und die Lebensmittelherstellung in den Boden. Sommerweizen, Sommergerste und Futterhafer sind vielerorts schon gedrillt und "laufen gut auf", wie Landwirte sagen. Sonderkulturen wie Lupine und Futtererbsen folgen. Sie dienen anstelle von Sojabohnen als Eiweißfutter fürs Vieh. Nützliches Zubrot und gern gesehene Augenweide sind Sonnenblumen und Raps. Eigens angelegte Blühstreifen sollen zusätzlich Farbe und Bienenweide auf Niederlausitzer Felder bringen. Das ergab eine RUNDSCHAU-Umfrage bei Landwirten der Region.

"Die letzten Vorbereitungen für die Aussaat laufen, der Sommerhafer ist bereits gedrillt", sagt Christian Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Kahren-Branitz, und fügt an: "Als Nächstes folgt die Sommergerste, ab Anfang April Lupine." Sonnenblumen und Mais folgen ab Mitte April bis Anfang Mai. Hackfrüchte baut die Agrargenossenschaft nicht an.

So wie die Kahrener haben die meisten Landwirte der Region ihren Schwerpunkt auf die Futterproduktion für den eigenen Tierbestand gelegt. Zunehmend helfen Sonderkulturen auf Lausitzer Feldern zusätzliche Einnahmen zu erlösen. Die Landwirte sprechen von "Risikostreuung". Verbraucher kennen den Begriff aus der Anlageberatung bei Banken und Sparkassen, wenn es darum geht, das vorhandene Kapital sicher zu mehren.

Jeder Betrieb geht seinen Weg. Beispiel Heinersbrück (Spree-Neiße): Hier steht die Futterproduktion für die eigenen Rinder an erster Stelle und die Produktion von Marktfrüchten für den eigenen Hofladen. Dafür baut der Betrieb auf seinen Flächen zwischen dem aktiven Tagebau Jänschwalde und dem stillgelegten Tagebau Cottbus-Nord Wintergetreide wie Roggen, Gerste, Weizen und Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) an und Mais, ergänzt durch Sommergetreide. "Hafer und Sommergerste wurden gerade gedrillt", berichtet Frank Schneider, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Heinersbrück. Dazwischen werden auf rund 70 Hektar wieder Sonnenblumen gedeihen, "mehrere Sorten für die Ölindustrie und die Vermarktung im eigenen Hofladen", kündigt er an.

In Halbendorf (Landkreis Görlitz) setzt der Agrarbetrieb Prohav auf Raps für die Ölindustrie als Zubrot. Schwerpunkt ist auch hier der Futterpflanzenanbau. "Unser Ziel ist, unser Vieh mit unserem Getreide zu versorgen", bringt es Olaf Hanusch, Abteilungsleiter Feldbau der Prohav Halbendorf, auf den Punkt. Der Landwirtschaftsbetrieb hat in den Landkreisen Spree-Neiße und Görlitz 1900 Hektar Fläche unterm Pflug. Auch hier ist der Sommerhafer bereits gedrillt, "für unsere Geflügelzucht in Jämlitz, vor allem für die Weihnachtsgänse", so Hanusch.

Auch um Forst und Guben und in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) ist der Arbeitstag der Landwirte seit dem Start in die Saison und Aufnahme der Frühjahrsbestellung wieder länger. Mit einer Besonderheit: In der Neißeaue wagen sich die letzten drei Produzenten von Zuckerrüben, die Anbaufläche weiter auszudehnen. Grund ist der Wegfall der EU-Quote für Zuckerrüben, wie Bernd Starick, neben Helmut Baum Vorstand der Bauern AG Neißetal, erläutert. Damit fällt zwar auch der Mindestabnahmepreis für die Bauern, die Landwirte hoffen trotzdem auf gute Erlöse für ihre Rüben und wollen den Anbau ausweiten.

"Entscheidend für den Erlös ist die Qualität der Zuckerrüben", erläutert Dieter Seidel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Leiter Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Forst. "Erträge und die Qualität sind so, dass sich das noch rechnet mit der Entfernung zur Zuckerfabrik", fügt er an. Der Transportweg ist circa 130 Kilometer lang. Ziel ist die Zuckerfabrik in Brottewitz bei Mühlberg (Elbe-Elster). "Die Aue-Böden schaffen das", bekräftigt Bernd Starick, dass sich der Aufwand lohnt.

Die Bauern AG Neißetal geht dennoch etwas vorsichtiger heran, dehnt ihre Anbaufläche um fünf Hektar auf 30 Hektar aus.

Die Agrargenossenschaft Forst legt auf 40 statt bisher 25 Hektar Zuckerrüben. Daneben baut Landwirt Frank Lerke im Forster Ortsteil Briesnig noch Zuckerrüben an. Er hat die Anbaufläche um ein Drittel auf vier Hektar erhöht. Damit ist die Zuckerrüben-Enklave an der Südbrandenburger Neiße weit entfernt von einstiger Größe. "Zu DDR-Zeiten haben wir als einzelner Betrieb auf mehr als 110 Hektar Zuckerrüben angebaut", sagt Starick.

Im Kreis Guben allein waren es einst mehr als 900 Hektar, im Jahr 2016 im Landkreis Spree-Neiße nur noch rund 56 Hektar, konzentriert in der Neißeaue zwischen Guben und Forst.

Unabhängig von Besonderheiten und individueller Risikostreuung: Was die Landwirte eint, ist die Hoffnung auf gute Ernten und bessere Preise in dieser Saison.

Zum Thema:
Gemessen an der reinen Zuckerausbeute je Hektar und dem statistisch ermittelten Pro-Kopf-Verbrauch könnten allein die drei Erzeuger aus Südbrandenburgs Zuckerrüben-Enklave durch die Ausdehnung der Anbaufläche den Bedarf der Einwohner von Forst und Guben knapp decken. Dafür müsste der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker jedoch weiter sinken; konkret um mehr als drei Kilogramm auf rund 28,3 Kilo. Nach amtlicher Statistik lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in Deutschland in den Jahren 2014/15 bei 31,9 Kilogramm Weißzuckerwert, Tendenz sinkend. Neuere Zahlen liegen nicht vor.