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| 02:44 Uhr

Hoeneß' Steuerschuld steigt immer weiter – Fahnderin schockt den Angeklagten

Jetzt geht's um die Wurst!
Jetzt geht's um die Wurst! FOTO: Jürgen Tomicek/jtm1
München. Es wird immer enger für Uli Hoeneß – jetzt soll der Präsident des FC Bayern sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Diese enorme Summe schockte den angeschlagenen Präsidenten des FC Bayern München am zweiten Tag seines spektakulären Prozesses vor dem Landgericht München II. Britta Schultejans / skl

Die als Zeugin geladene Rosenheimer Steuerfahnderin kam nach einer Berechnung auf Grundlage weiterer Unterlagen auf einen Betrag von 23,7 Millionen Euro. Diese Steuerschuld addiert sich zu den 3,5 Millionen Euro, von denen die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage ausgegangen war. Die Finanzbeamtin sichtet eine Unmenge an Daten, die Hoeneß erst kurz vor Verfahrensbeginn eingereicht hatte. Der Bayern-Boss und seine Verteidiger hatten zum Auftakt am Montag von 18,5 Millionen Euro gesprochen, fast zehn Millionen unter der neuen Summe - aber schon 15 Millionen mehr als in der Anklageschrift.

Die von der Finanzbeamtin nun genannten 23,7 Millionen Euro sind sogar noch eine "Best-Case"-Rechnung zugunsten des Angeklagten. Hoeneß verfolgte die Entwicklung mit hochrotem Kopf. Der Bayern-Patron muss nach der weiteren Verschärfung seiner Lage mehr denn je eine Freiheitsstrafe befürchten.

Die neue Millionensumme der Finanzbeamtin wurde am Richtertisch verkündet. Sie basiert auf einer ersten Durchsicht des neuen Materials. Auch die von der Verteidigung nachgereichten Angaben sollen noch Lücken aufweisen. "Hier fehlen 1,7 Millionen, von denen keiner weiß, wo sie sind", sagte Richter Rupert Heindl.

Nach Angaben der Steuerfahnderin hat Hoeneß die vor über einem Jahr erstellte Datei zu seinem geheimen Konto in der Schweiz erst kurz vor dem Prozess vorgelegt. Der an der Börse zockende Präsident hatte mit seinen Spekulationen demnach zeitweise hohe Gewinne erzielt. Deutlich über 100 Millionen Euro lagerten zwischenzeitlich auf dem Depot. Nach 2006 ging es abwärts. "Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da, was leider an der Steuer nichts ändert", schilderte die Beamtin.

Der Zeitplan mit einer raschen Urteilsverkündung am Donnerstag ist daher trotz der neuen Entwicklungen weiterhin möglich - allerdings keineswegs sicher. Das Gericht will erst noch den heutigen Mittwoch abwarten. Am dritten Prozesstag sollen als weitere Zeugen ein Betriebsprüfer sowie ein EDV-Mann des Finanzamtes Rosenheim gehört werden.

Zum Thema:
Uli Hoeneß räumt ein, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben - inzwischen ist von etwa 27 Millionen Euro die Rede. Die RUNDSCHAU versucht, anhand von Beispielen aus der Lausitz die Dimension der Summe zumindest anschaulich zu machen. Rund 12,5 Millionen Euro sind in den Bau des Senftenberger Stadthafens (Oberspreewald-Lausitz) geflossen. Diese Zahl nannte jüngst Zweckverbands-Vorsteher Volker Mielchen. Rund 5,2 Millionen Euro kosten Sanierung und Neubau am früheren Real-Reform-Gymnasium in der Hoyerswerdaer Altstadt. Daraus wird das Bürgerzentrum "Konrad Zuse", das unter anderem die Kulturfabrik beherbergen wird. Rund 3,56 Millionen Euro kostet die Sanierung der Cottbuser Straße der Jugend. Sie ist eine wichtige Verbindung von der A15 in die Innenstadt. Die Bauarbeiten haben vor Kurzem begonnen. Bislang 2,4 Millionen Euro sind in das Barockschloss Martins kirchen nahe Mühlberg (Elbe-Elster) investiert worden. Dafür sind Dach-, Statik- und Fassadenarbeiten durchgeführt worden, teilt die Brandenburgische Schlösser GmbH mit. Rund zwei Millionen Euro hat die Stadt Lübben (Dahme-Spreewald) in Anbau und Sanierung der 2. Grundschule in der Spreewald-Stadt investiert. Seit Schuljahresbeginn können Kinder und Lehrer die neuen Räumlichkeiten nutzen.Etwa 500 000 Euro will die Stadt Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) in diesem Jahr für den Ausbau der Otto-Grotewohl-Straße in der Neustadt ausgeben. skl