Die Aufregung war groß. Später versuchte die Präsidentschaft, die Gemüter zu beruhigen. Vom „Weg ins Verderben“ habe Topolanek sprechen wollen. Und er sei falsch verstanden worden, als er auf Tschechisch von „bondy“ (Wertpapieren auf dem Finanzmarkt) sprach, der Dolmetscher aber „bomby“ hörte und dies mit Waffen übersetzte.

23 Amtssprachen

Es wäre nicht das erste Mal, dass Missverständnisse bei der Übersetzung zu Verstimmungen führen. Bei 23 Amtssprachen in der EU sind Fehler nie auszuschließen. Und der Beitritt von zwölf Ländern mit elf neuen Amtssprachen seit 2004 hat diese Gefahr noch vergrößert: Weil niemand fließend aus 22 Zungen in seine Muttersprache übersetzen kann, verlassen sich die Dolmetscher häufig auf eine Hauptübersetzung ins Englische oder Französische. Da kann sich ein Fehler leicht vervielfältigen.

Besonders schwierig ist es mit Humor. So spielte ein britischer Politiker, der in Oxford studierte hatte, in seiner Rede vor dem EU-Parlament einst auf die ewige Rivalität mit der Universität von Cambridge an. Nur ein Brite hätte das verstanden, doch der deutsche Dolmetscher zog sich geistesgegenwärtig aus der Affäre: „Der Redner hat einen Scherz gemacht, bitte lachen sie.“

Nicht zum Lachen war hingegen ein Satz von Wladimir Putin beim Brüsseler EU-Gipfel 2002. Russlands damaliger Staatschef antwortete einem französischen Journalisten auf dessen Frage nach dem Tschetschenien-Krieg, wenn er islamischer Radikaler werden wolle, könne er sich ja in Moskau beschneiden lassen: „Wir empfehlen, diese Operation so durchzuführen, dass Ihnen dann nichts mehr nachwächst.“ Weil Putin eigene Dolmetscher mitgebracht hatte und diese sehr diplomatisch übersetzten, erfuhr die breite Öffentlichkeit erst über russische Zeitungen davon.

Korrekte Wiedergabe

Topolaneks „Weg in die Hölle“ wurde am Mittwoch allerdings völlig korrekt wiedergegeben. Das tschechische „cesta do pekla“ sei anders gar nicht zu übersetzen, so Muttersprachler. Es passt auch in den Kontext: Amerika wiederhole seine Fehler aus den 1930er-Jahren, hatte der EU-Ratspräsident zuvor ausgeführt.

Die EU-Kommission versuchte am Donnerstag, den Schaden zu begrenzen. Die Sichtweisen von EU und USA näherten sich in Zeiten der Krise einander an, versicherte Sprecherin Pia Ahrenkilde. Das Wort „Hölle“ aber mied die Sprecherin wie der Teufel das Weihwasser.