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Höheres Rentenniveau taugt nicht gegen Altersarmut

Eine deutliche Anhebung des Rentenniveaus reicht nicht aus, um Armut im Alter wirklich zu bekämpfen.
Eine deutliche Anhebung des Rentenniveaus reicht nicht aus, um Armut im Alter wirklich zu bekämpfen. FOTO: dpa
Berlin. Selbst mit einer deutlichen Anhebung des Rentenniveaus könnte Altersarmut nicht wirksam bekämpft werden. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Rentenversicherung in einer Stellungnahme für den Bundestag. Damit ist die Rentendebatte im Wahljahr neu entfacht. Stefan Vetter

Den Angaben der Rentenversicherung zufolge bezieht fast jeder vierte Empfänger von Grundsicherung (24 Prozent) überhaupt keine Rente aus dem gesetzlichen Rentensystem. Weitere 40 Prozent hätten eine Rente von weniger als 400 Euro. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Grundsicherungsbedarf in Deutschland liegt aktuell bei 795 Euro im Monat. "Selbst eine ganz erhebliche Erhöhung des Rentenniveaus würde in diesen Fällen nicht dazu führen, dass die Betroffenen auf ein Einkommen oberhalb des Grundsicherungsanspruchs kämen", heißt es in der Stellungnahme der Rentenversicherung. Anlass der Expertise war eine Expertenanhörung zum Thema Altersversorgung, die gestern im Bundestag stattfand und maßgeblich von der Linken initiiert worden war. Sie fordert eine Anhebung des Rentenniveaus von derzeit 48 auf "mindestens" 53 Prozent. Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte im vergangenen November ein Konzept präsentiert, das eine langfristige Stabilisierung des Rentenniveaus auf wenigstens 46 Prozent vorsieht. Ohne Gegenmaßnahmen, so warnte Nahles damals, werde das Rentenniveau bis zum Jahr 2045 auf 41,7 Prozent fallen.

Dabei handelt es sich eigentlich nur um eine statistische Größe, die in der politischen Debatte über Altersarmut jedoch eine zentrale Rolle spielt. Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis einer sogenannten Standardrente nach 45 Versicherungsjahren bei stets durchschnittlichem Verdienst zum aktuellen Durchschnittslohn. Die Absenkung des Rentenniveaus war noch von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen worden, um die Beiträge wegen der langfristig ungünstigen demografischen Entwicklung bezahlbar zu halten. Bezogen auf den Einzelnen sagt das Rentenniveau allerdings wenig aus, da sich die individuelle Rente nach dem persönlichen Einkommen über das gesamte Erwerbsleben hinweg richtet. Darauf verweist auch die Rentenversicherung. Trotz des sinkenden Niveaus, so die Experten, seien die Rentenerhöhungen in den vergangenen zehn Jahren "insgesamt sogar höher ausgefallen als der Anstieg der Lebenshaltungskosten". Im gleichen Zeitraum sei allerdings der durchschnittliche Lohnanstieg noch stärker gewesen als der Anstieg der Renten.

Schon bei der Vorstellung des Nahles-Konzepts im vergangenen November hatte die Union deutlich gemacht, dass sie eine Stabilisierung des Rentenniveaus gegenwärtig für überflüssig hält. Die jüngste Expertise scheint diesen Standpunkt zu bestärken. "Mit dem Rentenniveau lässt sich Altersarmut nicht bekämpfen. Das wird oft falsch dargestellt", sagte der CDU-Sozialfachmann Peter Weiß der Lausitzer RUNDSCHAU.

Vielmehr müsse gezielt etwas für jene Gruppen getan werden, die im Alter besonders gefährdet seien. Weiß zählte dazu insbesondere Selbstständige, bei denen über eine Versicherungspflicht nachgedacht werden müsse, und Erwerbsgeminderte, für die man aber schon weitere Verbesserungen auf den Weg gebracht habe. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll Mitte Februar vom Bundeskabinett verabschiedet werden.

Auch die Rentenversicherer halten solche Maßnahmen für sinnvoll. "Es ist inzwischen wohl unstrittig, dass Altersarmut häufig auf konkret benennbare Ursachen zurückzuführen ist und es zu ihrer Bekämpfung gezielter, an diesen Ursachen orientierter Ansätze bedarf", heißt es in ihrer Stellungnahme.