CDU und CSU müssten aber Vorschläge machen, wie wichtige Aufgaben - etwa Investitionen in Bildung und Infrastruktur - auf anderem Weg zu bezahlen seien. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) versicherte, solche Investitionen seien auch ohne höhere Abgaben möglich.

Das Thema Steuererhöhungen galt bislang als einer der größten Streitpunkte: Die SPD war mit dem Plan in den Wahlkampf gezogen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, um Investitionen zu finanzieren. Die Union ist jedoch strikt gegen eine höhere Besteuerung. Gabriel erklärte, im Zen trum stünden für die SPD Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Kommunen, gute Löhne, eine Begrenzung der Leiharbeit, faire Renten, eine Pflegereform und die Stabilisierung Europas. Ein Problem innerhalb der SPD ist allerdings weiter die Skepsis an der Parteibasis gegenüber einer großen Koalition. Die SPD-Spitze vermied daher jede Vorfestlegung auf eine Regierungsbeteiligung.

Nun richtet sich der Blick auf das anstehende Sondierungsgespräch zwischen Union und Grünen am kommenden Donnerstag. Auch dort wird das Thema Steuern eine zentrale Rolle spielen. Die Grünen waren mit einem ähnlichen Kurs in den Wahlkampf gezogen wie die SPD - und sie rücken nun ebenfalls davon ab. Parteichef Cem Özdemir räumte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein: "Mit dem Steuerwahlkampf haben wir viele vergrault." Die Kandidatin für den Grünen-Fraktionsvorsitz, Kerstin Andreae, sagte dem Blatt, Steuererhöhungen seien auch für ihre Partei kein Selbstzweck. "Wenn es andere Möglichkeiten gibt, die anstehenden Aufgaben wie die Energiewende oder Infrastrukturprojekte zu finanzieren, sind sie uns willkommen."