Knapp zwei Monate vor dem letzten Schnapszahl-Heiratstermin in diesem Jahrhundert - dem 12. 12. 2012 - sind viele Standesämter in Sachsen ausgebucht. Das ergab eine Umfrage bei den Behörden. Vor allem in den Großstädten herrscht reger Andrang: Wird im Dresdner Standesamt normalerweise nur donnerstags, freitags und samstags getraut, machen die Standesbeamten am Mittwoch, dem 12. Dezember, eine Ausnahme. "Die 18 Termine sind restlos ausgebucht", sagte Amtsleiter Frank Neubert. "Die Leute stürzen sich tatsächlich auf dieses Datum." Die eigentlichen Hochzeitstage in der Woche seien dagegen weniger gefragt, für den 14. Dezember etwa lägen bisher nur vier Buchungen vor.

Auch an Brückentagen, wie etwa im Oktober oder November, sind die Standesbeamten der Landeshauptstadt im Einsatz. Vor allem ehemalige Dresdner nutzten dann die Gelegenheit, um in ihrer Heimatstadt zu heiraten. "Der Trend ist ungebrochen: Zum Heiraten kommt man nach Dresden", sagte Neubert.

Während auf dem Dresdner Standesamt reger Andrang herrscht, ist die Nachfrage nach kirchlichen Trauungen an diesem Tag verhalten: Im Kirchspiel Dresden-Neustadt gibt es bisher keine Anfragen. "Schnapszahlen spielen bei uns keine große Rolle", sagte Pfarrer Eckehard Möller. Schon im vergangenen Jahr zum 11. 11. 2011 habe es keine Trauungen gegeben. "Bei uns ist es den Paaren offenbar wichtiger, in den warmen Sommermonaten zu heiraten."

Im Leipziger Rathaus sind dagegen sämtliche Termine für das Schnapszahl-Datum vergeben: 14 Paare wollen sich an diesem Tag das Ja-Wort geben, getraut wird im 40-Minuten-Takt. "Schnapszahlen und damit ein Datum, das man nicht so leicht vergisst, sind immer noch ein Renner", sagte eine Behördensprecherin. Ohnehin sei der Dezember in der Messestadt ein beliebter Monat zum Heiraten. Zwischen 7 und 14 Hochzeiten finden in dem Wintermonat pro Tag statt, während es im Jahresdurchschnitt etwa vier Eheschließungen täglich seien.

Im Chemnitzer Standesamt legen die Mitarbeiter am 12. 12. sogar Sonderschichten ein: Normalerweise bleibt das Amt am Mittwoch geschlossen, aber für 13 heiratswillige Paare und eine Lebenspartnerschaft öffnen sich die Tore. "Ganz ausgebucht sind wir aber noch nicht, wir können noch flexibel auf Nachfragen reagieren", sagte Leiterin Eveline Waszk.

In Erinnerung hat sie vor allem ein Schnapszahl-Datum, das in Chemnitz alle Rekorde geschlagen hat: Am 9. 9. 1999 wurden knapp 90 Paare getraut. "Das habe ich selbst miterlebt, ein Wahnsinn", erzählte Waszk. Pro Jahr werden rund 800 Ehen in Chemnitz geschlossen - die meisten im Rathaus, gefolgt vom Wasserschloss Klaffenbach und der Villa Esche.

Ein beliebter Ort zum Heiraten ist in Sachsen das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul. Hier steht für den 12. 12. bisher allerdings nur eine Trauung im Kalender. "Um entsprechend feiern zu können, bevorzugen viele Paare wohl doch eher das Wochenende", sagte Sprecherin Ulrike Schröter.