Nachdem am Elbpegel im sächsischen Schöna gestern Mittag die höchste Alarmstufe IV erreicht wurde und die Flutwelle in der Nacht Dresden passierte, nähert sich der Scheitel des Elbe-Hochwassers der Stadt Mühlberg (Elbe-Elster-Kreis). „Von Dresden aus rechnen wir bei der gegenwärtigen Fließgeschwindigkeit mit etwa 20 Stunden, bis er bei uns ist“ , so Wolfgang Genehr. Der Abteilungsleiter des Landesumweltamtes in Cottbus geht davon aus, dass „in der Nacht zum Sonnabend“ für den 15 Kilometer langen Abschnitt des Stromes in diesem Bereich Katastrophenalarm ausgelöst werden muss. Es sei mit einem Anstieg auf 8,80 Meter zu rechnen. Gestern Mittag wurden 7,40 Meter gemessen. Normal ist eine Wassertiefe von 2,70 Metern. Beim Katastrophenhochwasser im August 2002 war der Fluss auf 9,99 Meter angeschwollen. Der Wasserspiegel stand damit einen Zentimeter unter der Deichkrone bei Mühlberg. „Nur gut, dass das Wetter nach Frost und Schnee nicht abrupt umgeschlagen ist“ , äußert sich Genehr erleichtert. In Mühlberg tagte gestern erstmals ein Krisenstab des Landesumweltamtes und leitete vorbeugende Schutzmaßnahmen ein.

Weniger Wasser als 2002
Die Gefahr eines Hochwassers wie 2002 mit den dramatischen Folgen besteht nach Aussage von Genehr in diesem Frühjahr nicht, obwohl in Sachsen am Wochenende ergiebiger Regen bis zu 30 Millimeter je Quadratmeter vorhergesagt ist. „Die Abflussmengen in diesem Jahr sind wesentlich geringer“ , begründet er. Damals strömten am Pegel Torgau 4400 Kubikmeter je Sekunde vorbei, erinnert sich der Umweltexperte. Gestern wurde erst eine Menge von 2600 Kubikmetern je Sekunde gemessen.
An der Schwarzen Elster in Neuwiese bei Hoyerswerda, in Biehlen, Bad Liebenwerda und Herzberg geht das Hochwasser zurück. Lediglich in Herzberg lag es noch im Bereich der Alarmstufe zwei. Auch an der Spree ist die Situation nach Angaben des Hochwasserzentrums gegenwärtig ungefährlich, zumal im Einzugsgebiet des Flusses in den Höhenlagen bis 500 Meter kein Schnee mehr liegt. Aus der Talsperre Spremberg wird gegenwärtig mehr Wasser abgelassen als bisher, um die Staureserve wieder zu erhöhen. Sie ist bei einem Gesamtvolumen von etwa 20 Millionen Kubikmetern für den Hochwasserschutz im Moment zu 40 Prozent ausgeschöpft. Obwohl auch die Talsperre in Bautzen die Schleusen ein wenig weiter geöffnet hat, fließt in das Spremberger Staubecken weniger Wasser, als in die Spree Richtung Spreewald und Berlin abgegeben wird. Kritisch könnte laut Genehr die Lage an der Neiße werden, da im Riesen- und Isergebirge noch über ein Meter Schnee liegt. „Das ist noch viel Wasser“ , so Genehr. Sorgen bereitet ihm der Zustand der Deiche. „Viele sind über 100 Jahre alt und nicht mehr so standsicher. Die müssen bei stärkerem Hochwasser genau beobachtet werden.“

Zum Thema Alarmstufen und ihre Bedeutung
  In Deutschland können an den Hochwassermelde-Pegeln der Flüsse bis zu vier Alarmstufen ausgerufen werden.
Bei Alarmstufe I beginnt der Fluss, über die Ufer zu treten. Es wird ein Wasserstandsmeldedienst eingerichtet.
Die Alarmstufe II erfordert regelmäßige Kontrollen. Das Wasser überschwemmt die Deichgebiete und erreicht den Dammfuß.
Ein ständiger Wachdienst auf Deichen, Brücken und Wehren wird bei Alarmstufe III eingerichtet. Das Wasser steht etwa bis zur Hälfte des Dammes.
Alarmstufe IV wird ausgelöst, wenn der Wasserspiegel nur noch einen Meter unter der Deichkrone liegt. Maßnahmen zur Katastrophenabwehr wie Evakuierungen werden eingeleitet.
Im Internet sind die aktuellen Hochwassermeldungen in Brandenburg unter www.luis-bb.de/w/ , in Sachsen unter www.umwelt.sachsen.de/lfug abrufbar.