Der plötzliche Tod des ersten Präsidenten der BTU Cottbus hat die Gedenkreden am Freitag in Cottbus geprägt. Der Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Jörg Steinbach, berichtete von einem jüngsten Treffen und einer neuerlichen Verabredung mit Prof. Dr. rer. nat. Ernst Sigmund. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen. An die Familie des Verstorbenen gewandt, spendete der Redner Trost mit den Worten: "Wirklich gegangen ist jemand, wenn niemand mehr von ihm redet."

Doch vor mehr als 200 Trauergästen im Audimax der Uni ist an diesem Freitagnachmittag viel über Ernst Sigmund geredet worden. Über den Physiker mit Leib und Seele, wie ihn engste Weggefährten charakterisierten. Über den hervorragenden Wissenschaftler mit Gründergeist und Weitblick. Über den warmherzigen Menschen, dessen Führungs- und Gestaltungselement das persönliche Gespräch gewesen sei.

Während Sigmund stets betont hatte, dass sich Entwicklung von Universität und Region gegenseitig befördern müssen, ist ihm Cottbus für die Umsetzung dieser Forderung heute überaus dankbar. "Er hat sein Amt mit Herz und Verstand geführt", würdigt Dezernentin Marietta Tzschoppe (SPD). "Und die BTU ist unter der Führung von Ernst Sigmund gut ins neue Jahrtausend gekommen."

Sie verweist zudem auf die in seinem Jahrzehnt Amtszeit vollzogenen baulichen Veränderungen auf dem Cottbuser Zentralcampus: Er sei Bauherr des Audimax, des Forschungszentrums für Leichtbauwerkstoffe Panta Rhei oder der Wachsmann-Allee gewesen - dazu der Höhepunkt, das berühmt gewordene Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ).

Ernst Sigmund war maßgeblicher Wegbereiter der Wissenschaftslandschaft Brandenburgs in den 1990er-Jahren. So beförderte er auch zahlreiche Kooperationen der BTU mit Weltkonzernen wie Rolls Royce und Vattenfall. Er trug dazu bei, dass die BTU als eine der ersten Technischen Universitäten die Umstellung auf die moderne Bachelor/Master-Struktur vollendete. Nicht zuletzt implementierte er eine Reihe erfolgreicher englischsprachiger Master-Studiengänge, die bis heute zahlreiche ausländische Studierende nach Cottbus ziehen.

Prof. Dr. Ernst Sigmund wurde am 27. April 1946 in Esslingen geboren. Der Physiker wurde im Jahr 1993 auf den Lehrstuhl Theoretische Physik der BTU Cottbus berufen, 1994 wählte die Fakultät Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik ihn zu ihrem Dekan. Von 1996 bis 2006 war er Rektor bzw. Präsident der BTU Cottbus. Im Jahr 2003 gründete er in Cottbus mit viel Zeit und Geld die Firma Wankel SuperTech GmbH, die unlängst Motoren in Kleinserie produzierte.