Oftmals würden die Betroffenen zunächst in ein Gespräch verwickelt, beispielsweise mit dem sogenannten Stadtplan-Trick. Dabei wird auf einer Karte nach dem Weg gefragt und dann meist unbemerkt der Helfende bestohlen. Die Beamten haben laut Wenzel zuletzt auch Diebe beobachtet, die mit einem Bündel Tannengrün im Arm Passanten ansprachen und ihnen dann unauffällig in die Taschen griffen. Schwerpunkte seien vor allem in Innenstadtbereichen und vollbesetzten U-Bahnen zu finden. Häufig bestohlen würden Frauen und beispielsweise Touristen aus Japan, die oft viel Bargeld bei sich trügen.
Die EG Tasche mit rund 60 Mitarbeitern ist den Angaben zufolge seit August 2005 berlinweit zentral für die Bekämpfung des Taschendiebstahls zuständig. Allein in der Hauptstadt werden jährlich etwa 17 000 bis 18 000 Fälle von Taschendiebstahl registriert.
In diesem Jahr werde sich die Zahl trotz eines leichten Anstiegs während der Fußball-Weltmeisterschaft nicht erhöhen, ist Wenzel zuversichtlich. Seit Bestehen der Ermittlungsgruppe seien fast 600 Serientaschenräuber in Berlin regis triert worden. Nach Angaben der Polizei kommen die überwiegend männlichen Täter neben Osteuropa vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien, dem nordafrikanischen Raum und aus Südamerika.
In Berlin mache den Beamten auch noch eine Gruppe rumänischer Kinder Kummer, sagt Wenzel. Die Gruppe sei etwa seit einem Jahr bekannt. Werden die kleinen Diebe erwischt, kommen sie zunächst zum Kinder- und Jugendnotdienst. Meist würden sie die Einrichtung aber schon nach einem warmen Abendessen wieder verlassen, sagt der Kripoexperte. Die Kinder würden bei ihren Diebesstreifzügen häufig nicht so trickreich vorgehen und "eher schlichte Methoden" anwenden. Zu ihrer Beute gehörten neben Bargeld auch Handys und Fotoapparate.
Den Fahndern in mehreren Bundesländern bereiten gerade jetzt vor Weihnachten auch neue Maschen beim Ladendiebstahl Sorgen. Flüchtlinge aus Aserbaidschan und Armenien stehlen auftragsgemäß kleine Utensilien wie Schminke oder Rasierklingen, wie Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sagt. Das Diebesgut werde dann über das Internet weiterverkauft. Bei tausenden Rasierklingen gibt es laut Carstensen durchaus eine "Riesengewinnspanne", wobei die Diebe selbst nur gering entlohnt werden. Fälle dieser Art seien bereits in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein aufgetreten. Schwierig sei dabei, die "organisierten Zusammenhänge" zu erkennen, sagt Carstensen.