Herr Schulz, wie ist die Stimmung an der Hochschule kurz vor der Geburtstagsfeier?

Aus meiner Sicht ist die Stimmung grundsätzlich gut, es gibt viele Initiativen wie kürzlich die Tagung zur Algenforschung, die für die Zukunft Mut machen.

Ich frage nicht ohne Grund. Die Hochschule Lausitz steht wie alle Hochschulen in Brandenburg unter besonderer Beobachtung. Die Landesregierung muss sparen.

Die Bewertung der Brandenburger Hochschulen durch die Strukturkommission des Landes wird für unsere Hochschule erst am 20./21. Oktober stattfinden. Die Lausitzkommission, die inzwischen mit fünf fächerspezifischen Arbeitsgruppen da war, zeigte sich nach meiner Einschätzung überrascht, was hier bei uns alles gemacht wird und wie gut die Zusammenarbeit mit der Region ist. Wir haben bisher offenbar in Summe den Eindruck von solider Arbeit hinterlassen.

Ist denn inzwischen aus der Kommission etwas durchgedrungen?

Nein. Aber viele Mitarbeiter bei uns machen sich angesichts der Sparmaßnahmen des Landes Gedanken. Es wird viel spekuliert. Unbeschwerte Feierlaune ist das nicht gerade.

Vor drei Monaten sind Spekulationen aufgetaucht, wonach der Standort Senftenberg in Gefahr sei. Gibt es in dieser Hinsicht Neues?

Nein, ich habe null Informationen. Es kann schon sein, dass sich irgendjemand vorstellen könnte, dass bei einer Neuordnung der Hochschullandschaft eine Hochschule an nur einem Standort ökonomisch Vorteile bietet. Aber in Senftenberg wurden 90 Millionen Euro in Gebäude investiert, die lassen sich nicht woanders hin transportieren. Außerdem ist dieser forschungsstarke Standort eng in die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster eingebettet. Eine Schließung hätte immense Konsequenzen für die Strukturentwicklung.

Aber vom Tisch sind die Spekulationen noch nicht, oder?

Ich denke, dass es an letztlich entscheidender Stelle der Landesregierung keine substanziellen Überlegungen gibt, dies in irgendeiner Weise weiterzuverfolgen. Ich gehe davon aus, dass dieser Standort weiter erfolgreich besteht. Ich wünsche mir eher, dass Senftenberg im Bereich Biotechnologie und Ingenieurwissenschaften noch stärker zum Forschungs- und Lehrstandort ausgebaut wird. Es wird Veränderungen geben, das ist klar, aber die haben nichts mit der Schließung eines Standortes zu tun.

Ist aufgrund dieser Situation die Feier zum 20. Jubiläum etwas kleiner ausgefallen als an der Cottbuser Uni, wo im Juni mit einer opulenten Festwoche das 20. Bestehen gefeiert wurde?

Wir haben uns entschieden, einen Festakt zu veranstalten und ansonsten die großen Veranstaltungen im Hochschuljahr - die feierliche Immatrikulation am gestrigen Freitag und die Wissenschaftstage im November - auf das Jubiläum auszurichten.

Wie wird die Festveranstaltung aussehen?

Wir werden den Festakt am 7. Oktober in der Mensa in Senftenberg feiern und mit einem GlückAufFest nur für Hochschulmitglieder und Gäste verbinden, weil wir schon lange gut mit der Neuen Bühne zusammenarbeiten.

Sie mieten also das Theater beziehungsweise Snowtropolis für diesen Abend?

Ja, kann man so sagen, vor allem aber "mieten" wir das großartige Ensemble.

Wird es zum Jubiläum auch direkt eine Veranstaltung für die Studenten geben?

Ich glaube, die Studenten interessiert ein Festakt weniger, die feiern eher Partys wie das Sommerfest im Juli. Dabei unterstützen wir die Studenten im Jubiläumsjahr besonders. Es wird auch im Herbst noch ein, zwei solche Veranstaltungen geben.

Was bedeutet das Jubiläum für die Hochschule? Sie ging ja aus der Ingenieurschule für Bergbau und Energetik hervor. . .

Unsere Hochschule hat sich sehr gut entwickelt, sie ist gut ausgestattet und immer noch jung, aber etabliert. Uns zeichnet eine besondere Nähe zur regionalen Wirtschaft aus und man findet in Unternehmen viele unserer Absolventen, weil Lehre und Forschung sehr anwendungsbezogen sind. Außerdem haben wir mit 61 Prozent von allen Brandenburger Hochschulen die meisten Landeskinder. Landrat Siegurd Heinze unterstützt uns. Auch deshalb bemühen wir uns gemeinsam mit ihm und Bürgermeister Andreas Fredrich um ein Innovationszentrum in Senftenberg, das Ausgründungen aus der Hochschule und die Ansiedlung von Unternehmen mit Bezug zur Hochschule befördern soll.

Sie sind seit fünf Jahren Präsident - wie sehen Sie Ihre Verdienste?

Man muss sagen, dass unsere Bachelorabschlüsse wirklich beruflich qualifizieren. Die Absolventen haben keine Probleme, einen Job zu bekommen. Und unsere Masterstudiengänge brauchen einen Forschungsbezug - deshalb war es eines meiner Ziele, die Forschungskompetenz der Hochschule zu stärken, um der Wirtschaft höher qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen.

Ist Ihnen das Ihrer Ansicht nach geglückt?

Ja. Wir haben eine ganze Reihe jüngerer Professoren berufen, die mit großem Forschungsinteresse und Industriekontakten zu uns gekommen sind. Das Volumen unserer forschungsbezogenen Drittmittel, die wir einwerben, haben wir mehr als verdreifacht auf fünf Millionen Euro. Außerdem verfügen wir in den Ingenieur- und Naturwissenschaften über eine Spitzenposition beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand des Bundeswirtschaftsministeriums. Das schafft uns auch mehr Möglichkeiten, stärker mit der Wirtschaft zu kooperieren.

Was zählt aus Ihrer Sicht zu den Hochschul-Höhepunkten der letzten Jahre?

Da gibt es einiges: die Inbetriebnahme des Biotechnologie-Gebäudes beispielsweise, weil es ein Gebäude ist, in dem Forschung von vornherein großen Anteil hat. Oder die Erfolge beim Shell Eco Marathon oder dass wir dreimal bei der Betonkanuregatta einen ersten Platz errungen haben. . .

Und was waren für Sie die Niederlagen?

Dass wir sehr stark finanziellen Zwängen ausgesetzt sind. Es ist schwierig für einen Präsidenten, wenn er mit den Haushaltsmitteln nur noch bedingt steuern kann. Denn wegen des brandenburgischen Mittelverteilungsmodells bekommen wir relativ weniger Geld vom Land, weil wir unsere Studienanfängerzahlen nicht so steigern konnten wie andere brandenburgische Hochschulen.

Wo sehen Sie die Hochschule in den nächsten 20 Jahren?

Ich wäre schon froh, wenn ich fünf Jahre vorausschauen könnte. Denn wie Sie wissen, sind wir ja vermutlich nicht frei in unseren Entscheidungen, die demnächst zu treffen sind. Aber wenn ich das außer Acht lasse, bin ich davon überzeugt, dass die Hochschule Lausitz auch in Zukunft im bundesdeutschen Vergleich eine eher kleine forschungsstarke Hochschule für angewandte Wissenschaften bleiben wird. Dass wir diese Forschungskompetenz weiterentwickeln und damit einen vielleicht zu erwartenden Rückgang der Studierendenzahlen ausgleichen.

Wo wollen Sie sich einpendeln?

3000 Studierende sollten möglich sein. Aber Zahlen sind nicht entscheidend, sondern wie leistungsfähig die Hochschule ist.

Was sind die drängendsten Aufgaben der nächsten Zeit?

Wir müssen den Wissens- und Technologietransfer in die Region stärken - gerade bei der Algenforschung, Energietechnik, Biotechnologie oder Gesundheit. Viele Professoren werden in den nächsten Jahren pensioniert - das sollte man nutzen, um innerhalb bestehender Studiengänge Neuausrichtungen zu schaffen.

Wie sehen Sie künftig die Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus? Jetzt startet ja mit dem Bauingenieurwesen der erste verzahnte Studiengang beider Hochschulen.

Eine Kooperation mit der BTU ist für mich selbstverständlich. Letztlich sind wir zwei Hochschulen in der Lausitz mit knapperen finanziellen Mitteln, die im Wettbewerb mit den anderen Brandenburger, aber auch nationalen und internationalen Hochschulen stehen. Wie die Zusammenarbeit konkret aussieht, hängt von vielen Faktoren ab.

Welche Faktoren meinen Sie?

Die sind nicht alle nur rationaler Art. Ich denke, die Lausitz braucht weiter Hochschulen oder eine Hochschule, die einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leistet. Sie braucht aber auch eine Hochschule, die versucht, Antworten zu geben auf das, was gesellschaftlich passiert: Altersstrukturveränderungen oder neue Verkehrs- und Baukonzepte beispielsweise.

Habe ich das richtig verstanden: Sie sprachen von einer Hochschule - wird es auf lange Sicht nur noch eine Hochschule geben?

Mir ist momentan die Struktur nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass inhaltlich ein Mehrwert herauskommt für die Region und die Studenten, Mitarbeiter und Professoren. In der Forschung gibt es ja schon länger Kooperationen, darüber reden wir gar nicht mehr. Das muss verstärkt werden. Auch, aus der Parallelität von Studiengängen, die man uns vorhält, etwas Positives zu machen wie jetzt im Bauingenieurwesen, wo das Studium in einer gemeinsamen wissenschaftlichen Einrichtung organisiert wird. Gemeinsame Studiengänge im Bachelorbereich sind für mich kein Tabu. Ich denke aber nicht, dass man viel sparen kann, wenn man etwas zusammenlegt.

Und wie könnte man aus Ihrer Sicht sparen?

Sparen geht meiner Ansicht nach nur, wenn man das Fächerspektrum in der Lausitz deutlich beschneidet. Und wer will das schon - die Region jedenfalls nicht. Was ich mit Sicherheit glaube: Zwei Hochschulstandorte wird es auch in Zukunft geben. Denn wenn Sie beispielsweise in die USA an die University of California schauen, die hat zehn Standorte. Da sind die 35 Kilometer von Cottbus nach Senftenberg nichts dagegen.

Zum Thema:

Aus der GeschichteDie Gründung der Fachhochschule Lausitz wurde am 22. Oktober 1991 von der Landesregierung beschlossen. Sie ist in Senftenberg die Nachfolgeeinrichtung der Ingenieurschule für Bergbau und Energetik.Am 9. Dezember 1991 wird die Hochschule feierlich eröffnet.Seit 2009 heißt sie Hochschule Lausitz (FH).