In vier Jahren haben 16 Bundesbehörden, darunter der Deutsche Wetterdienst und das Umweltbundesamt, auf 689 Seiten zusammengetragen, was die weltweit steigenden Temperaturen für jede einzelne Region im Land konkret bedeuten werden. Ob es um Vereisung von Flugzeugen geht, die Ausbreitung von Insekten, die tropische Krankheiten übertragen können, die Verschiebung von Reisezeiten oder die Veränderungen von Anbausorten auf den Feldern - kaum ein Bereich bleibt in dem Werk unerwähnt. Folgende Megatrends hat die Studie ausgemacht:

Hitze: Es wird damit gerechnet, dass die Zahl der "heißen Tage" (mehr als 30 Grad) bis zur Mitte des Jahrhunderts stark zunimmt. Und zwar mit bis zu 25 Tagen am meisten in Südwestdeutschland, wo es heute acht bis zwölf solcher heißen Tage gibt. Gegen Ende des Jahrhunderts sind im Oberrheingraben sogar 40 bis 50 solcher Tage möglich. Da die Gesellschaft altert, stellt diese Entwicklung das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen, vor allem in Ballungsgebieten, in denen es noch heißer wird. Berlin, München, das Rhein-Ruhr- und das Rhein-Main-Gebiet werden als Problemregionen genannt. Frischluftschneisen bei der Stadtplanung und Dachbegrünung werden hier zum Gesundheitsthema. "Positiver" Effekt: Es muss wohl weniger geheizt werden. Dafür verlieren die Alpen weitgehend ihren natürlichen Schnee.

Trockenheit. Was bisher lediglich ein Problem Brandenburgs ist, dürfte sich ausweiten. Als besonders anfällig werden Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden-Württemberg genannt, auch hier wieder der Oberrhein sowie der Schwarzwald. Anbausorten in der Landwirtschaft müssen widerstandsfähiger werden; zugleich stellt die Entwicklung große Herausforderungen etwa an die Kühlsysteme von Kraftwerken und an die Binnenschifffahrt. Die Waldbrandgefahr wird bundesweit erheblich zunehmen und Vorsorge bei den Feuerwehren erfordern.

Unwetter. Die Hochwasserschutzprogramme werden als ausreichend betrachtet, um den Anstieg des Meeresspiegels und Sturmfluten zu verkraften. Für die Flüsse gibt es keine eindeutige Prognose. In der Verkehrsinfrastruktur und im Bau muss man sich jedoch besser auf die zunehmende Zahl von Starkregen und Stürmen einstellen. So muss bei der Errichtung von Tiefgaragen die Möglichkeit von Wassereinbrüchen einkalkuliert werden; bei Dächern die zunehmende Zahl lokaler Tornados.