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| 17:43 Uhr

ITB Berlin
Hipper Spreewald, Schätze und Sternstunden

In guter Nachbarschaft: Janine Kauk aus dem Elbe-Elster-Kreis wirbt Kulturschatzsucher, während Norbert Kannowsky auf mehr als hundert Veranstaltungen im 750. Jahr des Klosters Neuzelle neugierig macht.
In guter Nachbarschaft: Janine Kauk aus dem Elbe-Elster-Kreis wirbt Kulturschatzsucher, während Norbert Kannowsky auf mehr als hundert Veranstaltungen im 750. Jahr des Klosters Neuzelle neugierig macht. FOTO: Ida Kretzschmar / LR
Berlin. Lausitz und Elbe-Elster-Land präsentieren sich auf der Internationalen Tourismus-Börse modern, traditionsbewusst und naturnah. Von Ida Kretzschmar

Der Himmel über Berlin hat am Mittwoch wenig mit einem Ferienhimmel zu tun. Für die Tourismus-Branche aber strahlt er. Die Reiselust ist auch von Terrorangst und politischen Krisen nicht zu bremsen. Das beflügelt die Internationale Tourismus-Börse (ITB), die zum 52. Mal ihre Pforten geöffnet hat. Nach kräftigem Wachstum im vorigen Jahr wird weltweit mit einem weiteren Anstieg der Urlauberzahl gerechnet. Prognosen besagen: Bis zum Jahr 2030 werden sich rund 1,8 Milliarden Menschen jährlich auf Reisen begeben. Das sind 500 Millionen mehr als zurzeit.

Besucher können auf der Messe in ein Meer von unzähligen Urlaubsfarben und exotischen Gerüchen tauchen, einen Vorgeschmack auf Hunderte Ferienziele mitnehmen.

„Immer wieder schön“, versucht die Türkei in einem großen Messeauftritt verlorene Urlauber zurückzugewinnen. Das östliche Mittelmeer ist wieder im Trend, berichtet der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig. Allerdings sind die Buchungszahlen noch weit entfernt von ihrem besten Jahr 2015. Damals kamen drei Millionen deutsche Touristen in die Türkei, im vorigen Jahr waren es nur noch 1,7 Millionen.

Im neuen Look: Kristin Orbanz wurde von der Modedesignerin Sarah Gwiszcz mit dieser modernen Spreewaldtracht eingekleidet.
Im neuen Look: Kristin Orbanz wurde von der Modedesignerin Sarah Gwiszcz mit dieser modernen Spreewaldtracht eingekleidet. FOTO: Ida Kretzschmar / LR

Laut Reiseveranstalter Tui ist Spanien unangefochten das gefragteste Auslandsziel. Bei Fernreisen steige besonders für Thailand, Jamaika, die Malediven und Mauritius die Nachfrage.

Statt Touristengedränge suchen indes viele Menschen mehr und mehr nach sanften Tourismus-Zielen. Vor allem in Deutschland, das hierzulande immer noch das Reiseland Nummer 1 ist. Und so landet auf Deutschlandreise, immer ihrem Namen nach (wie sie selbst lächelnd sagt) Susanne Schatz aus Hamburg am Stand der Kulturschatz-Sucher in der Brandenburg-Halle 12.

Dort erläutert Janine Kauk aus dem Elbe-Elster-Land die neue Idee, Kulturerbe länderübergreifend spielerisch zu entdecken. „Schon der Luther-Pass, der ja in diesem Jahr mit neuen Zielen zum Weiterreisen einlädt, war ein Riesenerfolg. Nun hoffen wir, dass uns auch viele auf der Kulturschatzsuche folgen“, ist sie gespannt: „Wir denken nicht in Reiseregionen, sondern in Erlebnisräumen.“ Vom Museumsdorf Baruther Glashütte, über Kloster Neuzelle, das hier nicht von ungefähr gleich in der Nachbarschaft ausstellt, geht es ins Fürst-Pückler-Museum nach Branitz bis ins Lutherhaus Wittenberg. Auch Kulturstätten in Senftenberg, Finsterwalde, im Elbe-Elster-Kreis, in Torgau, in Lehde und Lübbenau spielen mit. Die Hamburgerin greift gern zu einem Kulturschatz-Starterset. „Vor einigen Jahren habe ich ein feines Hotel im Spreewald für mich entdeckt“, verrät sie noch.

Brandneu: Kinder können ab nächste Woche in Herrnhut durch die Welt der Sterne klettern und rutschen, gibt Sylvia Gulisch bekannt.
Brandneu: Kinder können ab nächste Woche in Herrnhut durch die Welt der Sterne klettern und rutschen, gibt Sylvia Gulisch bekannt. FOTO: Ida Kretzschmar / LR

Ganz hip präsentiert sich der Spreewald auf der diesjährigen ITB. Kristin Orbanz wurde von der Modedesignerin Sarah Gwiszcz eingekleidet, die traditionelle sorbische Spreewaldtrachten in neuem Gewand fertigt. „Das kommt gut an, sind doch auch unsere Angebote nicht nur traditionell, sondern auch sehr modern“, sagt Kristin Orbanz. Im Spreewald könne man nicht nur Rad fahren, wandern, wellnessen und paddeln, sondern auch Stand up Paddling betreiben, ein ganz besonderes Wassersport­erlebnis“, sagt die Straupitzerin, während sie Spreewald-Gurken herumreicht, die wie eh und je ihre Anziehungskraft haben.

Erstmals präsentieren sich Spreewald, die Stadt Cottbus und Tropical Islands an einem gemeinsamen leuchtenden Tresen auf der weltgrößten Reisemesse. „Wir zeigen hier, dass Cottbus – trotz aller Probleme – eine liebens- und lebenswerte Stadt ist, die sehr gastfreundlich ist“, sagt Gerd Geipel von der CMT. Gerade bei Busreisenden, die einen Tag lang Cottbus kennenlernen wollen, gäbe es keinen Abbruch. Im Gegenteil: Immer mehr Besucher vor allem aus Norddeutschland und Polen lassen sich vom Postkutscher durch Cottbus führen. „Auf der ITB aber ist die Walzernacht in Weiß am 29. Juni der Renner.“

Nebenbei ist auch immer ein Ausflug in die Tropen drin, denn der Tropical Islands-Außenbereich „Amazonia“ wird ja demnächst noch attraktiver, ist hier von Denise Deparade zu erfahren.

Internetionale Tourismus Börse (ITB)
Internetionale Tourismus Börse (ITB) FOTO: Ida Kretzschmar / LR

Ein paar Meter weiter schwärmt Susanne Wunderlich von der Sechs-Seen-Tour rund um die neuen Gewässer in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen bei Luckau. Von da aus ist es nicht weit in die Sachsen-Halle, die wie auch die Jahre zuvor preisverdächtig ausgekleidet ist.

Diesmal steht sie ganz im Zeichen der Kunst. Und so treffen wir auch den Bildhauer Thomas Reimann, einen alten Bekannten, der in Hoyerswerda das Denkzeichen an Brigitte Reimann geschaffen hat und zuvor  das „Paradies Hoyerswerda“, welches, so bedauert er, gar nicht mehr paradiesisch anmutet.

Hier in Berlin stellt er seinen „Börsianer“ vor, gemixt aus verschiedenen Materialien und metallisiert – „mit einem Ohr an der Masse und die Kohle festhaltend ein Götze unserer Zeit“, wie Reimann bemerkt.

„Börsianer“: Bildhauer Thomas Reimann, bekannt durch seine Kunstwerke auch in Hoyerswerda, stellt in der Sachsen-Halle einen weltweiten Götzen vor.
„Börsianer“: Bildhauer Thomas Reimann, bekannt durch seine Kunstwerke auch in Hoyerswerda, stellt in der Sachsen-Halle einen weltweiten Götzen vor. FOTO: Ida Kretzschmar / LR

Sternstunden dagegen lassen sich in der Oberlausitz erleben. In Herrnhut wird nächste Woche eine Entdeckerwelt eröffnet. „Kinder können in einem In- und Outdoor-Spielplatz durch die Welt der Sterne klettern und rutschen oder unter Anleitung den berühmten Herrnhuter Stern basteln“, erklärt Sylvia Gulisch und lädt auch in den Nationalpark Zittauer Gebirge ein.

Katrin Prenzel von der Touristikinformation Görlitz erinnert daran, dass in diesem Jahr 20 Jahre Europastadt Görlitz-Zgorzelec gefeiert wird. „Dafür öffnet sich noch einmal im Sommer die Stadthalle für eine Kunstausstellung Antoinette, die dem Mythos Europa nachspürt“, kündigt sie an.

So zeigt sich Sachsen hier nicht nur als wahres Kunstwerk, sondern auch als „Land von Welt“, wie Annedore Malbrich vom Tourismus-Marketing in Erinnerung ruft. Ein Grund mehr, durch die Messehallen zu streifen, um möglichst viel Welt einzufangen. Eine Schönheit aus Ecuador (Foto) transportiert auf ihrem Kopf Ananas für frischgepresste Säfte. Überall duftet es, wird gesungen und getanzt. Mit Strohhut gehörst du auf einmal dazu.

Ein Rundfunkreporter übersetzte ITB mit „Ist Traum Bloß.“ Stimmt. Aber wo kann man sonst an einem einzigen Tag eine Traumreise erleben?