Der Christdemokrat Ludger Altenkamp hat es sich nicht leicht gemacht. Sechs Monate lang hatte der Staatsanwalt aus Wittichenau versucht, innerhalb seiner Partei die Dinge zu klären. Jetzt warf er seine Funktion als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Wittichenau hin und machte die Gründe dafür öffentlich.
Am achten Juni dieses Jahres hatte Henry Nitzsche, Bundestagsabgeordneter aus Oßling bei Wittichenau, seine Parteifreunde in das nahe gelegene Lieske zu einem Vortrag über Patriotismus eingeladen. Bevor der begann, ergriff Nitzsche das Wort. Man brauche den Patriotismus, „um endlich vom Schuldkult runterzukommen“ und damit „Deutschland nie wieder von Multikultischwuchteln in Berlin regiert wird“ , zitiert ihn Altenkamp.
Nitzsche fällt nicht zum ersten Mal mit rechten Parolen auf. Ende 2003 hatte er gegen Muslime und Einwanderer Stimmung gemacht. 2005 zog er in den Wahlkampf mit der Parole „Arbeit, Familie, Vaterland“ , das Motto des französischen Vichy-Regimes, das mit den Nazis kollaboriert hatte, und das Motto eines NPD-Parteitages war.

Parteiintern bekannt gemacht
Im April 2006 war Nitzsche aus der Paneuropa-Union ausgetreten wegen der Äußerung eines Spitzenfunktionärs, dass Moral und Ethik bei Juden, Christen und Moslems weitgehend übereinstimmen. Das sei für ihn, „völlig unannehmbar und inakzeptabel“ , begründete Nitzsche seinen Austritt.
„Ich habe gedacht, das kann nicht wahr sein“ , erinnert sich Ludger Altenkamp an Nitzsches Rede nun beim Patriotismusabend im Juni in Lieske. Er habe ihn damals sofort darauf angesprochen: „Der hat nur gesagt, ich soll den Staatsanwalt mal schön zu Hause lassen.“ Doch Altenkamp machte den Vorfall parteiintern bekannt und warb um Unterstützung. Am vorigen Montag legte er den CDU-Vorsitz in Wittichenau nieder: „Ich habe gespürt, dass die Mehrheit des Stadtverbandes nicht hinter mir steht.“
Was Nitzsche gesagt hat, sei eine „erstklassige NPD-Äußerung“ gewesen, so Altenkamp. Im September habe die NPD in Hoyerswerda Plakate aufgehängt mit der Parole: „Stoppt den ewigen Schuldkult.“

Patriotismus in Dreck gezogen
Udo Witschas, Bürgermeister von Lohsa und Mitglied im sächsischen Landesvorstand der CDU, war dabei, als Nitzsche vom „Schuldkult“ und den „Multikultischwuchteln in Berlin“ schwadronierte. „Es ist bedauerlich, dass gute Leute wie Altenkamp wegen solch primitiver Äußerungen zurücktreten“ , beklagt er. „Was Nitzsche gesagt hat, das ist rechtsradikales Vokalubar, das zieht den Patriotismus in den braunen Dreck.“ Im CDU-Kreisvorstand Kamenz-Hoyerswerda, wo Nitzsche Vorsitzender ist, habe man sich scharf davon distanziert und ihn angesprochen: „Der hat einfach nicht reagiert.“
Auch der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer bekam von Nitzsche keine Antwort, als er ihn wegen der Äußerungen beim Patriotismusabend zur Rede stellte. Diese Sprüche seien für die sächsische CDU „völlig inakzeptabel“ , so Kretschmer. Über Patriotismus müsse sachlich und intelligent und nicht auf „Stammtischniveau“ diskutiert werden. Konsequenzen der Partei blieben jedoch aus.
Ludger Altenkamp, der die Sache jetzt öffentlich gemacht hat, sagt, er habe ein Parteiverfahren gegen Henry Nitzsche erwartet. Der sächsische Bundestagsabgeordnete war gestern für die RUNDSCHAU nicht zu erreichen.