Der Stammbetrieb von Dieter Stührenberg, dem geplanten Investor für den Flugplatz Drewitz hat seinen Sitz am Stadtrand von Detmold. Allform heißt das Unternehmen, das Kunststoffe verarbeitet. Auch die 2002 gegründete Stührenberg Holding soll hier sein, aber kein Firmenschild weist darauf hin. Die Stührenberg Holding hatte kürzlich den Flugplatz im brandenburgischen Drewitz gekauft. Der Vertrag ist unterschrieben. Ob das Geschäft aber wirklich über die Bühne geht und der Landkreis jemals Geld für den Flugplatz sieht, ist mittlerweile mehr als fraglich. Der Projektleiter des Investors fiel in der Vergangenheit vor allem wegen undurchsichtiger Geschäfte und Betrügereien auf. Stührenberg wollte sich zu den Machenschaften seines Geschäftspartners bisher nicht äußern. In Detmold, einer 74 000-Einwohner-Stadt in Ostwestfalen-Lippe, erregte er in den vergangenen Jahren nur ein Mal öffentliche Aufmerksamkeit. Mitte der 90er-Jahre brannte ein Autohaus ab. Das Grundstück gehörte ihm. Im Gerichtsverfahren gegen den Brandstifter wurde der Unternehmer als Zeuge gehört. Bereits damals, erinnert sich ein Prozessbeobachter, wurde Stührenberg von Friedhelm Brandhorst begleitet.

Brandhorst kam später wiederholt mit der Justiz in Berührung. Allerdings als Angeklagter. Wegen Untreue in 90 Fällen verurteilte ihn das Landgericht Hamburg im Juni 2003 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Während die Hamburger Richter 2003 noch gegen Brandhorst verhandelten, machte der im baden-württembergischen Mannheim weiter Geschäfte. Für eine in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Dachdecker-Firma sollte er Zahlungen an Gläubiger abwickeln.

Dem betroffenen Firmeininhaber stellte sich Brandhorst als Doktor der Rechtswissenschaften vor. Dabei hatte er sein Jurastudium nach drei Semestern abgebrochen. "Er hatte ein sehr einnehmendes Wesen. Man durfte ihn auch Fritz nennen," so der Dachdecker-Meister. Als der angebliche Anwalt rund 90 000 Euro nicht weiter reichte, sondern in die eigene Tasche steckte, zeigte er Brandhosrt an. "Der hat von mir noch Geld gefordert, als er wegen des anderen Urteils schon im Gefängnis war." Die Dachdecker-Firma indes musste Insolvenz anmelden, 20 Leute verloren ihren Job. Auf Seite 2: Mehr über die Machenschaften des Friedhelm Brandhorst...

Für seinen Auftritt in Mannheim verurteilte das Landgericht Oldenburg Brandhorst im Juni 2006 wegen Betruges zu einem Jahr und acht Monaten Haft ohne Bewährung. Davon saß er elf Monate ab, zum Teil im offenen Vollzug. Brandhorst nutzte den Freigang aus, um neue Geschäfte vorzubereiten. In Ahlhorn, nicht weit entfernt von der JVA, besuchte er Anfang 2008 einen Fliegerhorst.

Frank Hennig, Geschäftsführer der dort ansässigen Wartungsfirma Aircraft Maintenance Service GmbH (AMS), erinnert sich an mehrere Gespräche mit Brandhorst. "Er hat mir die Zukunft des Flugplatzes rosig ausgemalt." Im Januar 2008, so Hennig weiter, besuchte Brandhorst dann auch eine AMS-Gesellschafterversammlung. Ein Bericht der Nordwestzeitung Oldenburg zitierte kurz darauf einen Projektleiter namens "Fritz Brandt", der im Namen einer neu gegründeten Betriebsgesellschaft für den Fliegerhorst weitere Geschäftsfelder aufzeigte. Brandt gab gegenüber der Zeitung das Stammkapital der Gesellschaft mit 2,5 Millionen Euro an, fast das Zwanzigfache der Summe, die im Handelsregister stand. Vermutlich war "Fritz Brandt" niemand anderes als Friedhelm Brandhorst. Auf Seite 3: Brandhorst schlägt in Drewitz zu...

Einer der Gesellschafter der neu gegründeten Betriebsgesellschaft, die in Ahlhorn so groß einsteigen wollte, ist Brandhorsts Bekannter Dieter Stührenberg. Für den trat Brandhorst nur drei Wochen nach Ende seiner zweiten Haft im Juli diesen Jahres auch als Projektentwickler im Landkreis Spree-Neiße auf.

Stolz präsentieren ihn die ahnungslosen kommunalen Flugplatz-Gesellschafter im Drewitzer Empfangsgebäude als Hoffnungsträger (die RUNDSCHAU berichtete). Brandhorst kündigt den Kauf des Areals und Investitionen von rund 60 Millionen Euro an, um aus dem Flugplatz einen Standort für die Wartung großer Flugzeuge zu machen. Ein Vorhaben, das Experten später in der RUNDSCHAU als Nonsens bezeichneten, da keine Fluggesellschaft Maschinen zur Wartung auf die grüne Wiese fliegen lasse.

Ein ähnliches Konzept verkauft Brandhorst wenige Wochen später auf dem ehemaligen Militärflugplatz im nordrhein-westfälischen Rheine. Ebenfalls als Projektentwickler Stührenbergs. Auch hier stellt er Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe und Hunderte Arbeitsplätze in der Flugzeugwartung in Aussicht.

In Drewitz unterschreibt Brandhorst im Namen Stührenbergs sogar einen Kaufvertrag. Bis zum 30. September sollen rund zwei Millionen Euro an die fünf Gesellschafter überwiesen sein. Auf Seite 4: Landrat fühlt sich nicht zuständig...

Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD), zugleich Vertreter der Flugplatzgesellschafter, gefallen die erst jetzt bekannt gewordenen Vorstrafen des Projektentwicklers nicht, aber er sieht sich für dieses Problem nicht zuständig: "Der Investor muss dem Projektentwickler vertrauen, nicht wir." Wenn der Deal platzt, betont er, bleibe der Flugplatz in kommunaler Hand. Landkreis und Anlieger-Kommunen kämen ohne finanziellen Schaden aus der Sache heraus. A der angekündigten 60-Millionen-Euro-Investition aber hat mittlerweile offenbar selbst er Zweifel. "Wir hätten gern auf ein anderes Pferd gesetzt, aber es war nur das da", sagt er mit Blick auf die weltweite erfolglose Ausschreibung des Flugplatzes.

Aus Frieses Sicht bleibt der Verkauf alternativlos. Bei jährlich 460 000 Euro Verlust drohe dem Flugplatz Insolvenz. Immerhin räumt Friese ein, dass der Verkauf bei ihm ein "ungutes Gefühl" hinterlässt. Auf Seite 5: Ein Gestrick aus Lügen...

Offenbar nehmen es Investor und Projektentwickler mit der Wahrheit nicht sehr genau. Dem Westfalenblatt gegenüber sagte Stührenberg vor Kurzem, dass ein Unternehmen seiner Holding in Ahlhorn Erfahrung mit einem Flugplatz gesammelt hat. 100 Arbeitsplätze seien geschaffen worden. Für Frank Hennig, den Geschäftsführer der AMS-Wartungsfirma auf dem Fliegerhorst Ahllhorn, sind diese Behauptungen, "glatt gelogen" . Es gäbe keine 100, sondern nur knapp 50 Arbeitsplätze, und die seien alle bei der von ihm geleiteten AMS angesiedelt, so Hennig.

Nachdem die RUNDSCHAU von einer Haftstrafe für Brandhorst berichtete, bestätigten Investor und Projektentwickler zwar eine Verurteilung – gaben aber dafür falsche Gründe an. Angeblich war es "Steuerhinterziehung in Millionenhöhe". Stührenberg sprach von "Insolvenzverschleppung". Im Urteil jedoch steht Betrug. Für eine Stellungnahme waren Friedhelm Brandhorst und Dieter Stührenberg am Freitag und Samstag nicht zu erreichen.