"Die Angehörigen befinden sich in einer seelischen Ausnahmesituation. Doch jeder reagiert anders: Manche bleiben ruhig, sind gefasst, andere brechen zusammen, weinen und schreien. Sie dekompensieren." Die Hinterbliebenen befänden sich in einer "Schocklähmung", sie konnten sich anders als bei einer tödlichen Erkrankung nicht auf den Verlust vorbereiten.

Ein sensibler Umgang mit den Angehören sei nun entscheidend. "Sie müssen Wertschätzung erfahren." Teil dieser Wertschätzung sei auch, dass die Kanzlerin alle Termine abgesagt hat, dass die Griechenland-Krise kurz in den Hintergrund getreten sei. "Das bekommen die Hinterbliebenen momentan nicht unbedingt mit, aber später werden sie davon erfahren und sich ernstgenommen fühlen", meint Lüdke.

Die Notfallseelsorger und -therapeuten spendeten nicht nur Trost, Hoffnung und Zuversicht, sondern würden den Hinterbliebenen auch dabei helfen, das Geschehene einzuordnen. "Wir begegnen den Betroffenen als Mitmenschen. Sie brauchen stabile Personen in ihrem Umfeld, die ihnen helfen, mit der Situation zurecht zu kommen", sagt Lüdke. Das Angehörigen bildeten eine "Schicksalsgemeinschaft": "Sie sind nicht allein mit ihrer Trauer."

Die Hinterbliebenen benötigen zudem gesicherte Informationen: Was ist mit ihren Angehörigen passiert? Was ist die Ursache für den Absturz?". Wichtig sei dabei auch die Identifizierung der Opfer. "Nur durch diese Gewissheit können sie ihren Verlust verarbeiten."

Der Trauma-Experte rechnet damit, dass viele Hinterbliebene in den kommenden Tagen an die Unglücksstelle in den französischen Alpen reisen werden. "Sie wollen ihren Lieben so nahe sein wie irgendwie möglich."