Die Marmortreppen sind fast fertig, die Wände frisch geweißt, und der rote Teppich liegt schon in den Büros der Abgeordneten. Brandenburgs ganz in den Landesfarben gehaltener neuer Landtag nimmt Gestalt an.

Noch 2013 soll das Potsdamer Stadtschloss fertig werden, sagt Finanzminister Helmuth Markov (Linke). Am Montag unternahm er zusammen mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eine sogenannte Baufortschrittsbegehung. Über schlammige Holzbretter und durch tiefe Pfützen marschierten Platzeck und Markov bei strömendem Regen in den Rohbau, immer verfolgt von einem emsig fotografierenden Pressetross. Denn im Potsdamer Landtag gibt es, anders als auf dem Großflughafen BER, auch etwas zu sehen.

Fleißige Handwerker hämmern, schrauben und bohren, Neonröhren werden durch die Gänge getragen, Schubkarren bewegt. Hinter den Deckenklappen der Gänge sind vorschriftsmäßig isolierte Kabelverbindungen zu sehen, auch eine Sprinkleranlage scheint schon fertig installiert. Von Zuständen wie am BER bemerken zumindest die bautechnischen Laien nichts. Und der Architekt des 120 Millionen Euro teuren Bauwerks, der Dresdener Peter Kulka, verbreitet im Gegensatz zu Markov eine für Brandenburger Verhältnisse angenehme Skepsis: "Es wird kurz und knapp, aber ich würde es mir wünschen, dass wir fertig werden." Bei jedem größeren Bauprojekt könne es aber kurzfristig noch zu Problemen kommen, machte Kulka deutlich. Und der Landtagsneubau blieb in der Vergangenheit davon ja auch nicht verschont.

Die Insolvenz der Sächsischen Sandsteinwerke und ein durch Verzögerungen und Mehrkosten ausgelöstes laufendes Schiedsverfahren zwischen Bauträger und Baufirma sind nur einige der Schwierigkeiten, die das Stadtschloss fast zum kleinen Bruder des Problemflughafens werden ließen. Doch schon heute lassen sich in dem Gebäude die imposanten Ausmaße des künftigen Plenarsaals erahnen.

Wo die Volksvertreter heute im bräunlichen Charme der untergegangenen DDR tagen, soll es künftig eine sechs Meter hohe, hinterleuchtete Rotunde geben.

Mit weißem Lack beschichtete Möbel sollen 88 Abgeordneten als Arbeitsplatz im Plenum dienen - und sollte das Unmögliche plötzlich möglich werden, und dank eines mittelschweren Wunders eine Länderfusion von Berlin und Brandenburg zustande kommen, stünden noch 62 rote Vitra-Drehstühle für die Abgeordneten aus der Bundeshauptstadt zur Verfügung.

Für Besucher soll es einen eigenen Zugang und 160 gepolsterte Sitzplätze auf einer Tribüne geben - bislang gibt es lediglich drei Stuhlreihen neben einem Kamerapodest. Um das Raumklima bei hitzigen Debatten angemessen abkühlen zu können, sind in einem sogenannten Druckluftboden eine moderne Fußbodenheizung und Kühlung verarbeitet.

Eher schlicht wirken dagegen die insgesamt 390 Büros für Abgeordnete und Mitarbeiter. Gerade einmal 18 Quadratmeter bieten Platz für einen Schreibtisch und einen Stuhl - und ob ein FDP-Politiker oder eine CDU-Vertreterin von rotem Teppich und weißen Wänden wirklich so begeistert sind, wird wohl erst der fertige Neubau zeigen.

Heute müssen die Brandenburger Parlamentarier teilweise zu zweit oder sogar zu dritt in einem Zimmer sitzen - optimale Arbeitsbedingungen sehen anders aus. Ministerpräsident Matthias Platzeck jedenfalls zeigte am Montag erkennbare Vorfreude auf den neuen Landtag.

"Die Mitte der Stadt Potsdam nimmt wieder Gestalt an", sagte der Landesvater, als er aus seinem im Rohbau befindlichen Büro auf die Kuppel der Nikolaikirche blickte. Eine Motivation für die Wiederwahl im Jahr 2014 sei das jedoch nicht. "Es gibt solche und solche Gründe, sich erneut für den Posten des Ministerpräsidenten zu bewerben", sagte Platzeck. "Räumliche Gründe gehören eher nicht dazu."

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Dieses Mal waren es gedünstete Salzkartoffeln. Bereits zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen ist am Montag ein Feueralarm im Noch-Landtagsgebäude auf dem Potsdamer Brauhausberg ausgelöst worden. Die Abgeordneten und Mitarbeiter nehmen es mittlerweile eher mit Humor. Nicht jeder sah sich mehr veranlasst, seinen Schreibtisch vorübergehend zu räumen. Denn beim letzten Feueralarm vor zwei Wochen waren es ebenfalls lediglich harmlose Küchendünste, die die Feuerwehr alarmierten. Damals ging es um Sauerkraut, und alle Abgeordneten und Mitarbeiter mussten das Parlamentsgebäude verlassen. Nach der Entwarnung konnten alle wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Neben diesen zwei jüngsten Vorfällen hatte der Rauchmelder im Küchenbereich schon Ende vergangenen Jahres einmal angeschlagen. Es gab Linsen mit Rauchfleisch. rdh