Vor einem halben Jahr hatte der Experte noch rund 2,7 Millionen Euro genannt.

Weil der Gutachter im April nicht alle offenen Fragen der Richter verlässlich beantworten und nicht binnen einer Drei-Wochen-Frist nachliefern konnte, platzte der Prozess. Vor knapp drei Wochen wurde das Verfahren neu gestartet. Ob die neue Zahl tatsächlich im Frankfurter Prozess Beachtung findet, ist nicht sicher. Die Vorsitzende Richterin Claudia Cottäus erinnerte an die Bindungswirkung des erstinstanzlichen Urteils. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Schaden geringer anzusetzen sei, hieß es.

Hilpert war 2012 vom Landgericht Potsdam zu fünf Jahren und acht Monaten Haft wegen Fördermittel-Betrugs, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Demzufolge hatte er die Investitionsbank des Landes (ILB) getäuscht und zu Unrecht 9,2 Millionen Euro Fördermittel für den Bau des Ressorts kassiert. Über ein "ausgefeiltes Rückvergütungssystem" habe er sich unter anderem von Baufirmen bis zu 12,5 Prozent der Auftragssumme als Provisionen zurückzahlen lassen, hieß es. Während der Bundesgerichtshof (BGH) in der Revision den Schuldspruch wegen Untreue und Steuerhinterziehung bestätigte, hob er das Urteil wegen Betrugs teilweise auf. Schadenshöhe und Gesamtstrafe müssten in dem Verfahren in Frankfurt noch einmal überprüft werden, verfügte er.

Dass seine Schätzung jetzt um rund 1,1 Millionen höher als im April ausfällt, begründete der Gutachter mit den eng umrissenen Vorgaben des Gerichts im April. Er sollte alle Kosten im Investitionszeitraum von 2002 bis 2006 dahingehend unter die Lupe nehmen, ob sie durch die ILB förderungsfähig waren. "Der Grundstückskauf zum Beispiel lag klar vor diesem Zeitraum", betonte der 51-Jährige, so dass er die 1,6 Millionen Euro nicht habe berücksichtigen können.

Der Gutachter stellte vor Gericht fest, Hilpert habe der ILB eine Netto-Investitionssumme von rund 34,4 Millionen Euro gemeldet. Auf dieser Grundlage errechnete die Bank ihre Fördersumme von 9,2 Millionen Euro. In der Netto-Investitionssumme seien von Hilpert aber auch Posten einbezogen worden, die nicht förderfähig gewesen seien. Ihren Anteil umriss der Experte mit rund 13,3 Millionen Euro. Weitere 1,5 Millionen Euro aus Provisionszahlungen der Baufirmen an Hilpert seien zudem abzuziehen, sodass letztlich nur rund 19,6 Millionen Euro förderfähig gewesen seien.

Für Hilperts Anwalt Gerhard Strate ist die Rechnung von rund 3,8 Millionen Euro nicht so einfach aufzumachen. In der ersten Instanz sei das "Rückvergütungssystem" als Schadensquelle herangezogen worden. Das jetzige Gutachten hingegen enthalte Posten, die den Schaden zusätzlich in die Höhe trieben.

Am 24. November wird der Prozess fortgesetzt.