Die Frau des früheren Präsidenten, die vor gut vier Jahren ihre erbitterte Schlacht in den Vorwahlen gegen Barack Obama verloren hat, ist jetzt 65 Jahre alt. Aber wie eine Rentnerin klang sie so gar nicht, als sie Bilanz ihrer Zeit als Außenministerin zog. Vor einem völlig überfüllten Saal, der nur einen Bruchteil der Interessenten fasste, sprach sie über die USA als "unentbehrliche Nation", über die Führungsrolle, die ihr Land auszufüllen habe. Je länger man diesem Appell einer wohl durchdachten, sehr differenzierten Rede zuhörte, um so mehr musste man den Eindruck gewinnen, hier spricht jemand ganz anderes als eine Außenministerin, die sich zurückzieht.

Zufällig wurde ich vor wenigen Tagen Zuhörer einer kurzen Belehrung, die eine Mitarbeiterin Clintons einer jüngeren Kollegin gab. Die hatte danach gefragt, was jetzt wohl passieren werde. "Sie will jetzt ihr Leben zurück nach dieser irren Jagd um den Erdball und nach all dem Ärger zuhause. Und dann wird sie entscheiden". Die Frau, die viel mit Hillary Clinton zu tun hat, mag ja Recht haben. Aber wer sie jetzt hörte, bekam ein klares Signal. Diese einzigartige Frau, die acht Jahre als First Lady, weitere acht als Senatorin, dann vier als Außenministerin verbracht hat, ist hoch motiviert, weiterhin eine wichtige Stimme zu bleiben.

Es gibt jetzt schon Umfragen, nach denen sie mit weitem Abstand das Feld der möglichen Bewerber für die Präsidentschafts-Nominierung der Demokraten anführt. Wer sie schon etwas länger beobachtet, wird mit einigem Erstaunen die Verwandlung dieser Frau registrieren. Einst oft von offensichtlichen Verletzungen gezeichnet, spricht sie jetzt wie befreit und ganz mit sich selbst im Reinen. Ihr Ehemann mag immer noch der größte Redner der USA sein - aber Hillary hat sich einen Respekt erarbeitet, der sie nicht weniger hervorhebt, als den überaus populären früheren Präsidenten. Und dann ist sie ja auch noch die Frau, die einem Mann verzeihen kann, dessen Dummheit vor der ganzen Nation in jedem Detail ausgebreitet wurde. Ohne ihren Segen könnte es all die Zuneigung zu Bill nicht geben, in der sich die USA insbesondere dann ergehen, wenn es heutzutage wieder mal nicht gut läuft. Das rechnet man ihr inzwischen hoch an.

Wenn sie ihr Leben ganz zurück hat, wird sie wieder antreten. Und sie hätte alle Chancen, in einem ganz anderen Sinne "die erste Dame" zu werden. Wie sie da so sprach darüber, wie unverzichtbar die USA weiterhin seien, so konnte man sehr wohl mithören, dass sie sich selbst genau so für unentbehrlich hält. Und wenn Sie über Führerschaft spricht, klingt das genau nach dem Anspruch, dass sie dazu in der Lage ist. Sie wird nachdenken und sie wird genau hinschauen. Wenn sie eine Chance für den Wiedereinzug ins Weiße Haus sieht, wird sie erneut antreten. Oder wie sie so schön auf eine Nachfrage zu ihrer Außenpolitik sagte: "Man muss von der Bank runter, wenn man mitspielen will!" Und dann lächelte sie vielsagend und mit all dem maßlosen Ehrgeiz, der sie zuweilen ja auch schon ins Stolpern brachte.