Souverän lächelnd ließ die ehemalige First Lady die Gunsterweisungen über sich ergehen. Aber alle Fragen nach einer Kandidatur für die Präsidentschaft 2008 wehrte sie kühl mit dem Verweis auf die anstehende Senatswahl ab - seit ihrem wie erwartet überwältigenden Wahlsieg ist es damit vorbei. "Heute beginnt ihr Kampf um die Präsidentschaft", kommentierte die "Washington Post" schon am Wahltag.
Die Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton weiß, dass ihre Partei im Hochgefühl des Wahlsieges nun auch Kurs auf die Eroberung des Weißen Hauses nehmen möchte. Hillary Clinton muss ihrer Partei allerdings beweisen, dass es mit ihr gelingen kann. Denn an ihren Siegeschancen gibt es unter den Demokraten erhebliche Zweifel. Für viele Republikaner wäre sie die Traumkandidatin auf Seiten des Gegners. Vermutlich wird die 59-jährige stirnrunzelnd die zweischneidigen Komplimente des (republikanischen) US-Vizepräsidenten Dick Cheney gehört haben, der im TV-Sender "Fox News" kürzlich meinte, sie hätte durchaus Chancen auf einen Wahlsieg. Andere Konservative schwärmen von der Vorstellung, die Demokraten würden die liberale Anwältin nominieren. "Nichts wird meine Anhänger mehr motivieren, nicht einmal, wenn der Teufel selbst anträte&ldq uo;, zitierten US-Medien den konservativen Evangelikalen-Prediger Jerry Falwell.
In der angesehenen Zeitschrift "Atlantic Monthly" wurde jüngst ein wenig schmeichelhaftes Bild einer angepassten, wenig inspirierenden Politikerin ohne Vision und besonderen Charme gezeichnet. Und die "Washington Post" beschrieb sie als oft "zu langweilig" und ohne Führungsqualitäten - zudem habe sie auf die brennende Frage nach einem Ausweg aus dem Irak auch keine Antwort.
Dass der neue Stern am politischen Himmel der Demokraten, der erst 45 Jahre alte schwarze Senator Barack Obama, sich öffentlich den Kopf zerbrach, ob er seinen Hut in den Ring des Präsidentschaftswahlkampfs werfen soll, wurde in seiner Partei auch mit den vielen Zweifeln an Hillary Clinton begründet. Zumindest hat sie seit gestern keine Entschuldigung mehr, der Frage auszuweichen, die Amerika sicher in den nächsten Wochen bewegen wird: Will sie den Kampf aufnehmen, die erste Präsidentin in der Geschichte der USA zu werden - oder nicht?