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| 01:04 Uhr

Hilfspakete nur nach Augentests

„Ganz weit aufmachen“, fordert die UN-Mitarbeiterin den Jungen auf, der in dem provisorischen Büro bei Peschawar an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan in ein Gerät zur Iris-Erkennung starrt. Von Amir M. Khan

Große Augen macht der schäbig gekleidete junge Afghane ohnehin schon deshalb, weil er von den Mitarbeitern des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zu einer Untersuchung gezwungen wird.
Eigentlich wollte der Flüchtlingsjunge nur ein Hilfspaket für seine Familie abholen. Neuerdings führt der Weg zu diesem Angebot aber durch einen schmucklosen Container. Dort vergleichen zwei UNHCR-Angestellte mithilfe eines speziellen Computersystems die Augen der Flüchtlinge um festzustellen, ob nicht einige von ihnen mehrfach um Hilfe anstehen. Mit dieser modernen Methode will die Hilfsorganisation den Missbrauch ihrer Angebote eindämmen.
"Schau in diese Linse und sperr' die Augen ganz weit auf", erinnert die UN-Mitarbeiterin den Jungen noch einmal. Das digitale Foto seiner Iris soll gleich beim ersten Mal gelingen. Auf einem Computermonitor überprüft die UN-Angestellte das Bild. Ein kurzer Klick auf der Computermaus, und sie nickt zufrieden. In Sekundenschnelle hat der Rechner die Augenmerkmale des Flüchtlingsjungen mit den bereits gespeicherten verglichen - keine Übereinstimmung, der Junge war noch nie hier. Vor der Tür wartet schon seine Familie, auch sie kann sich ihr Hilfspaket für den Weg in die Heimat abholen.
Eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie bekommt 150 Kilo Nahrungsmittel, neue Kleidung und zwei Plastikdecken. Auch 1,5 Kilo Seife und eine kleine finanzielle Unterstützung stellt das UNHCR bereit.
In der Vergangenheit nutzten viele Afghanen diese Hilfe jedoch aus. "Sie haben die Grenze mehrmals überquert und natürlich jedes Mal das Hilfspaket bekommen", berichtet Masti Notz, der Leiter des UNHCR-Büros bei Peschawar. Damit ist es seit der Einführung des fünfminütigen Augentests vorbei.
Mittlerweile arbeitet das UNHCR an drei verschiedenen Grenzübergängen mit der Iris-Erkennung. Seit September sind die Mitarbeiterinnen der UN-Organisation in Peschawar auf diese Weise bereits 413 Betrügern auf die Spur gekommen. 73 303 konnten dagegen problemlos ihr Hilfspaket in Anspruch nehmen.