Dabei achten die humanitären Helfer peinlich genau darauf, Distanz zu den Besatzern zu wahren. US-Militärs fordern dagegen eine stärkere Koordinierung mit den Hilfsorganisationen.
Der meist höfliche Meinungsaustausch vor Ort findet auf politischer Ebene seine ungleich heftigere Fortsetzung: Hinter den Kulissen geht der Streit um die Rolle der Uno im Irak weiter. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat nach eigenen Angaben zwar regelmäßigen Kontakt zu den US-Truppen, die sich um die irakischen Krankenhäuser kümmern. Aber „niemals und in keinem Land der Welt“ würde die Organisation mit den Streitkräften regelrecht zusammenarbeiten, betont Nada Dumani vom IKRK. Andernfalls gäbe die Organisation ihren Status als politisch unabhängige Stelle auf, erklärt sie.
Auch Philippe Schneider von der in Paris ansässigen Hilfsorganisation Première Urgence hält ein Zusammenwirken mit den Alliierten für undenkbar. „Die sorgen für den Wiederaufbau und die Sicherheit. Wir machen unsere humanitäre Mission“ , sagt Schneider, dessen Organisation seit sechs Jahren irakische Krankenhäuser unterstützt. Das wichtigste sei für Première Urgence, unabhängig und neutral zu bleiben, betont Schneider.
Die US-Armee sieht das anders. Für seine Truppen, die die Kontrolle über Bagdad übernommen haben, wäre es „äußerst hilfreich“ zu wissen, wo die humanitären Helfer jeweils im Einsatz sind und was sie dort tun, um ihnen medizinische Ressourcen zur Verfügung stellen zu können, so Oberst Tim Regen von der 3. Infanteriedivision. Gerade angesichts der großen Not, die im ganzen Land herrscht, hält er eine Zusammenarbeit für sinnvoll.
Krankenhäuser sind während des Krieges von US-Bombern beschädigt worden. Fast täglich werden Menschen eingeliefert, die durch Blindgänger von Streubomben verletzt wurden. Die Ärzte kämpfen gegen eine Durchfall-Epidemie, die für Kinder lebensgefährlich ist. Das Trinkwasser ist für Kinder oft nicht rein genug.
Der Konflikt vor Ort ist bezeichnend für den Streit zwischen den Vereinten Nationen und der US-Regierung. Nach Angaben von Vertretern von Hilfsorganisationen will Washington der Uno nicht nur politisch, sondern auch bei der humanitären Hilfe keine größere Rolle in Irak zugestehen, weil diese den Angriff auf das Land nicht unterstützte.
Nach Ansicht von Unicef-Mitarbeiter George Hatim, der in Bagdad im Einsatz ist, müssen die USA beim Wiederaufbau Iraks stärker das „gesamte Sozialsystem“ ins Auge fassen. Denn in einem quasi gesetzlosen Staat könnten humanitäre Organisationen zwar helfen, aber sie könnten kein komplettes System ersetzen.