Die „Chios“ brachte Medikamente, Trinkwasser sowie Zelte und Decken, berichtete das staatliche griechische Fernsehen (NET). Am Nachmittag sollte das Landungsschiff wieder zum zyprischen Hafen Larnaka zurückfahren und dabei rund 70 Flüchtlinge, zumeist Dänen und Griechen libanesischer Abstammung, mitnehmen.

Unterdessen konnte ein Hilfsgüter-Schiff des Internationalen Komittees vom Roten Kreuz (IKRK) nicht die südlibanesische Hafenstadt Tyrus anlaufen. Wegen der Feindseligkeiten habe das in Zypern gestartete Schiff ins weiter nördlich gelegene Sidon umgeleitet werden müssen, sagte eine Sprecherin der Organisation in Genf. Nach Informationen örtlicher Mitarbeiter sei auch die Zugangsstraße nach Tyrus schwer beschädigt und unpassierbar. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger traf am Montag zu Gesprächen mit der libanesischen Regierung in Beirut ein.

Die Sprecherin äußerte tiefe Besorgnis über die Lage der Zivilbevölkerung im Südlibanon. Seit drei Tagen hätten Hilfsorganisationen keinen Zugang mehr zu der Region. Die Menschen in den Dörfern versteckten sich in den Kellern. Sie seien dringend auf Hilfsgüter und Treibstoff angewiesen: „Treibstoff ist unerlässlich, um die Wasserpumpen in Betrieb zu halten.“

Unklar blieb, ob angesichts der Kampfhandlungen und der zerstörten Infrastruktur die Hilfslieferungen auch tatsächlich die Not leidende Bevölkerung im Süden des Libanons erreichen. „Das können wir hier nicht sagen“, meinte der für die Logistik zuständige Beamte des Außenministeriums in Nikosia, Periklis Stivaros. Insgesamt seien in den vergangenen zehn Tagen mehr als 2000 Tonnen Hilfsgüter von Larnaka vorwiegend nach Beirut gebracht worden. Die in Larnaka per Flugzeug angelieferten Hilfsgüter stammen aus fast allen EU-Staaten sowie vom Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen.

Am Montagvormittag kamen auf Zypern weitere 1400 Flüchtlinge aus dem Libanon an Bord von drei Schiffen der französischen Kriegsmarine an. Nach Angaben des Außenministeriums in Nikosia handelt es sich zumeist um Bürger europäischer Staaten libanesischer Abstammung, die in den nächsten zwei Tagen ausgeflogen werden sollen. Seit Ausbruch der Kampfhandlungen sind auf Zypern nach offiziellen Angaben bislang rund 56 000 Libanon-Flüchtlinge eingetroffen. Die meisten haben Zypern jedoch inzwischen wieder verlassen.