„Ohne meine Schwiegereltern wäre es nicht gegangen.“ Elke Klein sitzt in ihrem Büro in der Kita Bad Muskau (Niederschlesischer-Oberlausitz-Kreis). Seit erstem Februar leitet sie die Einrichtung. Zehn und zwölf Jahre alt sind ihre Kinder inzwischen. Aus dem Gröbsten raus.
Bevor sie den Leitungsposten übernahm, war die Diplom-Sozialpädagogin beim gleichen Träger in der offenen Jugendarbeit tätig. Als die Kinder auf die Welt kamen, nahm sie Erziehungsurlaub. Seit ihre Tochter zwei Jahre alt ist, arbeitet Elke Klein Vollzeit.
Die Familie wohnt mit den Schwiegereltern in einem Haus. „Es war immer jemand da, dadurch ging es“ , sagt die Mutter. Neben der Arbeit qualifizierte sich Elke Klein mit einem Zusatzstudium zur Diplom-Sozialpädagogin. Drei Jahre lang fuhr sie montags und freitags nach Potsdam, oft sah sie die Kinder an diesen Tagen gar nicht. Wenn ihr Mann nicht mitgezogen hätte, wäre das Zusatzstudium unmöglich gewesen, sagt sie. „Er nimmt genauso oft den Staubsauger in die Hand wie ich.“ Wenn die Kinder krank waren, teilten sich die Eltern die Betreuung. „Sein Chef konnte das nicht verstehen, auch die Kollegen mussten das erst lernen“ , berichtet Elke Klein.
Für die Kinder sei es nicht immer einfach gewesen, dass Mutter und Vater Vollzeit arbeiteten, sagt Elke Klein. „Aber ich wäre anders nicht glücklich gewesen, ich würde es wieder so machen.“
Das Beispiel zeigt: Viele Kompromisse sind notwendig, wenn Eltern Job und Familie unter einen Hut bringen wollen. Zentraler Aspekt für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei die gute Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen, sagt Professor Dr. Hildegard Maria Nickel vom Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin. „Ein gravierendes Problem liegt in den Betreuungsmöglichkeiten für die Null- bis Zweijährigen“ , erklärt die Wissenschaftlerin. Dabei sind die neuen Bundesländer den alten einige Schritte voraus. Sind in Ostdeutschland 37 Prozent der unter Zweijährigen in Krippen untergebracht, finden in Westdeutschland nur sechs Prozent einen Platz, so Professor Nickel. „In Westdeutschland gibt es erhebliche Defizite“ , sagt die Professorin. Im Kindergarten gehen die Schwierigkeiten dann weiter. Hier sei allerdings nicht das Angebot an Plätzen, sondern vielmehr die mangelnde Flexibilität der Einrichtungen das Problem.

Vaterbild hat sich verändert
Weiterer wichtiger Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind die Arbeitgeber. „Wo der Frauenanteil groß ist, richtet der Betrieb flexible Arbeitszeiten ein“ , berichtet Nickel. Dies gelte für den öffentlichen Dienst wie für viele kleinere Unternehmen. Schlecht ist die Situation aber nach wie vor bei großen Unternehmen. Mütter, die in der Arbeitswelt bestehen und gleichzeitig für ihre Kinder da sein wollen, benötigen die Unterstützung des Partners. „Im Vaterbild hat sich offensichtlich in den vergangenen Jahren etwas verändert“ , vermutet Nickel. Eine Studie habe gezeigt, dass sich Männer heute intensiver mit ihren Kindern, gerade wenn sie noch sehr klein sind, beschäftigen als früher.
Einer dieser Väter, die sich intensiv um die Betreuung ihres Kindes kümmern, ist der Cottbuser Thomas Grube. Er hat sein Arbeitsleben ein Stück weit umgekrempelt, seitdem Tochter Luise in die Krippe geht. Ein Jahr ist sie alt. „Ich bin offen zu meiner Chefin gegangen und habe gesagt, dass es so funktionieren muss“ , sagt der 31-Jährige. 40 Stunden arbeitet er in der Woche bei einer Medienproduktionsfirma, doch statt wie früher um zehn, beginnt er heute um acht Uhr. Vorher bringt Thomas Grube die Tochter in die Krippe. Und zweimal in der Woche kommt er um 16 Uhr von der Arbeit. „Dadurch verschieben sich auch die Stunden meiner Kollegen, sie müssen zum Beispiel Telefonate entgegennehmen, wenn ich schon weg bin“ , erklärt der Mediendesigner.
Seine Frau geht erst mittags zur Arbeit, sie ist Sekretärin in einer Fahrschule. Ein Jahr Erziehungsurlaub hat sie genommen. „Aber jetzt nicht arbeiten zu gehen, wäre für uns finanziell nicht drin“ , sagt Solvejg Ogorsolka. Einen Krippenplatz für Luise fanden die beiden schnell, inzwischen sei aber auch das in Cottbus schwieriger geworden. Doch nur durch die Krippe ließen sich Arbeit und Kind für Solvejg Ogorsolka und Thomas Grube nicht vereinbaren. „Würde uns Thomas' Mutter nicht helfen, wären wir aufgeschmissen“ , sagt Solvejg Ogorsolka. Als das Kind krank wurde, übernahm sie die Betreuung. Denn drei Wochen zu Hause zu bleiben, das ist weder für Vater, noch für die Mutter drin. „Wir sind beide in kleinen Unternehmen beschäftigt, da können die Kollegen das nicht so einfach auffangen“ , erläutert Thomas Grube. Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden geht es also auch in Ostdeutschland nicht.
Neben der finanziellen Frage zählt der Verband berufstätiger Mütter weitere Argumente für die Berufstätigkeit mit Kind auf. So seien Frauen heute so gut ausgebildet wie nie zuvor, deshalb sollten sie ihre Qualifikation auch einsetzen. „Außerdem sind sie ein gutes Vorbild für den Nachwuchs, wenn sie einer Arbeit nachgehen“ , erklärt Sprecherin Ute Steinke.

Mehr offizielle Kinderfrauen
„Effekt des von der großen Koalition verabschiedeten Gesetzes zur Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten könnten möglicherweise mehr offiziell angestellte Kinderfrauen sein“ , sagt Ute Steinke. Hildegard Maria Nickel verweist auf die finanzielle Entlastung von jungen Familien - für diese sicher ein Vorteil. „Das ist ein Anfang. Doch Paare, die nicht sicher sind, ob sie ein Kind bekommen sollen, lassen sich dadurch nicht motivieren“ , sagt die Professorin. „Dass ich Betreuungskosten absetzen kann, ist schön“ , erklärt Thomas Grube. „Wenn ich aber keinen Platz bekomme, hilft mir das auch nicht.“ Das sei eben in vielen Teilen des Landes das Problem.