Von Benjamin Lassiwe

Schnelle Regelungen zur Entschädigung von Menschen, die von Rutschungen auf ehemaligen Tagebaukippen betroffen sind, hat der Bürgermeister von Lauchhammer, Roland Pohlenz, am Donnerstag im Infrastrukturausschuss des Brandenburger Landtags gefordert. „Wir brauchen sehr schnell eine Antwort darauf, was wir diesen Menschen bieten können“, sagte Pohlenz. „Wir müssen den Leuten sehr klar sagen, welche finanzielle Möglichkeiten wir haben, um sie zu unterstützen.“ In Lauchhammer ist seit Anfang des Jahres bekannt, dass ein Wohn- und Gewerbegebiet an der Wilhelm-Külz-Straße aufgegeben werden muss. Eine Familie musste bereits ihr Haus aufgeben, sie lebt nach Angaben von Pohlenz nach einer vorübergehenden Unterbringung nun in einer Mietwohnung. Pohlenz verwies darauf, dass im Raum Lauchhammer auch mehrere Betriebe betroffen seien, etwa zwei Unternehmen in der Wilhelm-Külz-Straße, denen man eine neue Perspektive bieten müsse. „Es sind Betriebe, die Arbeit schaffen für Leute aus der Stadt Lauchhammer“, sagte Pohlenz. „Auch dort sind Betroffenheiten für die Menschen zu erwarten.“ Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses der Stadt Lauchhammer, Bernd Nitzschner, forderte, bei Umsiedlungen den Wiederbeschaffungswert und nicht nur den Zeitwert von Häusern und Grundstücken zu erstatten.

Das Landtagsgremium ließ sich am Donnerstag über den Stand der Untersuchungen der Kippenstandorte in Lauchhammer informieren. Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung des Bergbausanierers LMBV, Klaus Zschiedrich, in der Sitzung sagte, seien von 23 Kippenstandorten mit insgesamt 180 Hektar Fläche 15 Standorte bereits abschließend bewertet. Zschiedrich kündigte an, dass für sechs weitere Standorte bis zum Juni Ergebnisse vorliegen würden. Dazu zählten die Standortprüfung für den Bereich Pappelweg oder für die Wehlenteichschule. Noch ausstehend seien die Bewertungen für die Gartensparte Hohenleipisch, das Gelände der Firma Gleitsmann und Teile des Vestas-Betriebsgeländes. „Vor dem Bergbau war das Gebiet um Lauchhammer vergleichbar mit dem heutigen Spreewald“, sagte Zschiedrich. „Dort konnte man nicht bauen, dort gab es keine Landwirtschaft.“ Stattdessen wurde Torf gestochen. Seitdem habe es Bebauung gegeben, und man habe sich daran gewöhnt, dass die Gräbensysteme nicht mehr nötig gewesen wären. „Wir haben immer gesagt, wenn man Lauchhammer und das Umfeld betrachtet, muss man ein großräumiges wasserwirtschaftliches Modell betrachten“, sagte Zschiedrich. „Wir müssen das Wasser aus der Stadt bekommen.“

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) erklärte im Ausschuss, die Landesregierung nehme die Sorgen der betroffenen Menschen und Betriebe in Lauchhammer sehr ernst. „Wir sind uns einig, dass wir eine Verbindung der Bergbausanierung, der Wasserprobleme und der Stadtentwicklung brauchen“, sagte Schneider. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept.“ Aus Sicht der Landesregierung sei nicht der Altbergbau die alleinige Ursache der Probleme in Lauchhammer. „Auch die Grundwasserverhältnisse spielen im Blick auf den aktiven Bergbau eine wichtige Rolle“, sagte Schneider. Sie gehe deswegen davon aus, dass Instrumente der Braunkohlesanierung hier weiter nutzbar seien. „Wir haben es in Lauchhammer mit einer sehr komplexen Situation zu tun, die wir fachlich, rechtlich und von der Sachlage her aufarbeiten müssen.“