Die Neuordnung im Dresdner Rathaus hat auch Auswirkungen auf den Sächsischen Landtag. Dort ziehen zwei neue Abgeordnete ein. Die Linke Annekatrin Klepsch und die Grüne Eva Jähnigen wurden am Donnerstagabend, wie erwartet, zu Bürgermeisterinnen gewählt. Für die beiden Dresdnerinnen kommen nun zwei Nachrücker ins Landesparlament. Freuen kann sich bei den Linken Heiko Kosel. Der 48-jährige Sorbe flog vor einem knappen Jahr aus dem Landtag - sein Listenplatz war zu weit hinten. Bei den Grünen rutscht nicht der erwartete Landesvorsitzende Jürgen Kasek rein. Der Rechtsanwalt aus Leipzig hat am Freitag - aus dem Urlaub heraus - seinen Verzicht erklärt. Statt seiner kommt die Dresdner Politikwissenschaftlerin Katja Meier. Eva Jähnigen übernimmt im Rathaus das Umweltressort.

Annekatrin Klepsch wird Kulturbürgermeisterin im Team des vor einem Monat gewählten Dresdner Rathauschefs Dirk Hilbert (FDP). Dreieinhalb Jahre lang hat die 38-jährige gelernte Dramaturgin den Linken-Stadtverband geleitet. Seit 2009 saß die dreifache Mutter im Landtag. Im neuen Amt soll sie dafür sorgen, dass Dresden "wieder mehr mit selbstverständlicher Weltoffenheit und schöpferischer Vielfalt in Verbindung gebracht wird", wünscht sich Linken-Chef Rico Gebhardt. Klepschs Nominierung hatte im Linken-Stadtverband schon einen Erdrutsch verursacht. Dort trat sie als Teil der Doppelspitze zurück. Neue Sozialbürgermeisterin wird ebenfalls eine Linke. Die 38-jährige Kris Kaufmann ist gelernte Geografin und war bislang in der Linken-Stadtratsfraktion für Wohnungsbau zuständig. Jetzt hat sie das passende Ressort im Rathaus erobert, sitzt damit an der entscheidenden Stelle, um den Wohnungsbedarf, die steigenden Mieten und die neu gegründete Wohnungsbebaugesellschaft zu managen.

Um die Finanzen kümmert sich ein SPD-Mann. Peter Lames, der 51-jährige Chef der Stadtratsfraktion, wird allerdings erst 2017 Finanzbürgermeister, bis dahin läuft der Vertrag seines Vorgängers. Bis dahin übernimmt er die Bereiche Personal und Recht.

Für das Bau-Ressort in der Landeshauptstadt haben die Grünen den Stadtentwickler Raoul Schmidt Lamontain importiert. Zugunsten des 39-jährigen Hannoveraners bekam der Stadtverbandschef Thomas Löser eine Abfuhr von der Basis. Der Neue kündigte bei der Wahl am Donnerstag an, die Bürger früher in Bauprojekte einzubeziehen und die Metropole enger mit dem Umland zu vernetzen. Eine Konstante in der Verwaltung der Landeshauptstadt bleibt Detlef Sittel. Der 48-jährige Christdemokrat ist von seiner Partei wieder als Ordnungsbürgermeister nominiert.

Der Dresdner Stadtrat ist geteilt in zwei Lager, von denen das linke aus Linken, SPD und Grünen über eine knappe Mehrheit verfügt. Zusammen mit den 21 Abgeordneten der CDU einigten sich die Parteien nicht nur auf das Vorschlagsrecht für die Bürgermeisterkandidaten. So fand sich auch eine Zweidrittelmehrheit zusammen, die dem Oberbürgermeister in den nächsten fünf Jahren noch viel Ärger bereiten kann. Allerdings konnte Dirk Hilbert in den vergangenen vier Monaten schon üben: bei der Zusammenarbeit mit einem widerspenstigen Stadtrat.