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| 02:42 Uhr

HIL-Werke vor der Privatisierung

Die HIL mit ihren 250 Mitarbeitern ist für Wartung und Materialerhaltung von Bundeswehr-Landsystemen zuständig.
Die HIL mit ihren 250 Mitarbeitern ist für Wartung und Materialerhaltung von Bundeswehr-Landsystemen zuständig. FOTO: dpa
Doberlug-Kirchhain. Schweißen, Lackieren und Reparieren: Auf dem Werksgelände in Doberlug-Kirchhain (Elbe Elster) stehen jede Menge Militärfahrzeuge – auf Ketten, Rädern und auch mit Waffensystemen. Sie werden hier gewartet. Anna Ringle

Die drei Werke der HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH sollen privatisiert werden, die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

In einer riesigen Halle wird an verschiedenen Stationen gearbeitet. Ein Mitarbeiter steht in einem geschützten Radfahrzeug vom Typ Dingo und bewegt eine montierte Waffenanlage hin und her - funktioniert. Es ist die Ausgangsprüfung, wie die Produktionsleitung erläutert. Das Fahrzeug kann dann bald zurück zur Bundeswehr.

Neben der Station befindet sich eine große Waschanlage, vor der ein ausgebauter Motor steht. Gegenüber liegt in einem Regal ein Lenkrad. Die Fahrzeuge werden zum Teil komplett zerlegt. Im Durchschnitt bleiben sie etwa ein halbes Jahr hier im Werk, bis sie durchgecheckt und erneuert sind. Das Militärgerät kommt entweder regulär zur Inspektion hierher oder nach einem Schadensfall, wie Werkleiter Peter Beuckmann erläutert. Rund 100 Fahrzeuge stehen laut Produktionsleitung derzeit am HIL-Standort, zu Spitzenzeiten sind es 130. Auf dem Werksgelände gibt es auch eine Teststrecke, eine Schweißerei und eine Lackiererei. Die Fahrzeuge kommen per Tieflader zum Werk und werden auch so wieder abtransportiert.

Um die Wartung und Instandsetzung von rund 30 Prozent der landbasierten Bundeswehr-Militärfahrzeuge kümmert sich die HIL nach eigenen Angaben, der Rest kommt direkt zu den Herstellern.

Den drei Werken steht eine Privatisierung bevor. Voraussichtlich im zweiten Quartal werde es EU-weite Vergabeverfahren geben, kündigte HIL-Geschäftsführer Gerd Kaptein am Donnerstag an. Ziel sei es, dass der Bund 20 Jahre lange Leistungsverträge mit Privatanbietern abschließt, sodass die Arbeitsplätze und die drei Werkstandorte erhalten bleiben.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte gestern beim Besuch des Werks in Doberlug-Kirchhain dessen Bedeutung als Standort. Nach Angaben der Stadt zählt das HIL-Werk zu den größten Arbeitgebern in der Region. Das Werk gab es schon zu DDR-Zeiten und wurde später saniert.

Die 2005 gegründete HIL mit Hauptsitz in Bonn betreibt neben den drei Werken weitere Wartungs-Niederlassungen und -Stützpunkte auf Bundeswehrgelände. Diese Arbeit soll in der Hand der HIL bleiben, zudem sollen weitere Managementaufgaben hinzukommen. Geschäftsführer Kaptein geht davon aus, dass nach der Privatisierung der Werke bei der HIL weitere Arbeitsplätze entstehen. Derzeit sind in dem Unternehmen etwa 1800 Mitarbeiter beschäftigt, in Doberlug-Kirchhain sind es rund 250.

Die Abgabe der Werke begründet die HIL unter anderem damit, dass es keine staatliche Aufgabe sei, Werksinstandsetzung zu machen. Zudem gebe es in einigen Jahren viele Mitarbeiter, die in Rente gingen, womit die Produktivität zurückgehen werde. Zudem hätte ein privater Gesellschafter die Möglichkeit, externe Aufträge außerhalb der Bundeswehr anzunehmen. Bevor Leistungsverträge mit privaten Anbietern geschlossen werden können, muss der Plan laut Kaptein noch dem Haushaltsausschuss des Bundestages vorgelegt werden.

Zum Thema:
Die HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH hält als Dienstleister für die Bundeswehr Militärfahrzeuge, Waffensysteme und Geräte instand, die auf dem Land zum Einsatz kommen. Zum Beispiel werden Ketten- und Radfahrzeuge repariert und runderneuert. Das bundeseigene Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Bonn und betreibt drei Werke in Deutschland - in Doberlug-Kirchhain (Brandenburg), Darmstadt (Hessen) und Sankt Wendel (Saarland). Daneben gibt es noch weitere Niederlassungen mit zahlreichen Stützpunkten.