Rot-Rot-Grün ist möglich, doch eine starke CDU gibt die Regierung nicht verloren.

Schwarz-Gelb am Ende, Debakel für die FDP, Rot-Rot-Grün möglich: Nach der Landtagswahl am Sonntag steht Hessen vor einer schwierigen Regierungsbildung. Die CDU wird den Hochrechnungen zufolge stärkste Partei, die bisher mitregierende FDP fliegt jedoch mit ihrem zweitschlechtesten Nachkriegsergebnis aus dem Parlament. Die SPD, die 2009 in ihrer einstigen Hochburg auf ein historisches Tief abgesackt war, legt kräftig zu. Für einen Machtwechsel braucht Rot-Grün jedoch die Linken - die sprichwörtlichen "hessischen Verhältnisse" sind zurück.

SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (43) wollte sich am Wahlabend nicht auf eine Bündnisoption festlegen, machte aber deutlich, dass die SPD eine Regierungsbeteiligung anstrebt. CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier (61) sieht einen klaren Auftrag für seine Partei zur Regierungsbildung. Rechnerisch möglich ist neben Rot-Rot-Grün auch eine Koalition von CDU und SPD sowie Schwarz-Grün.

S chäfer-Gümbel hatte Rot-Rot-Grün im Vorfeld "politisch" ausgeschlossen, "formal" jedoch nicht und sich somit ein Hintertürchen offengelassen. Bouffier verlangte von seinem Widersacher im Wahlkampf vergeblich ein "Ehrenwort", nicht mit der Linken zu koalieren. Die Linke zeigte sich am Wahlabend offen für eine Koalition mit SPD und Grünen. Schäfer-Gümbels Vorgängerin Andrea Ypsilanti war 2008 mit dem Versuch gescheitert, sich mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Daraufhin stürzte die SPD bei der vorgezogenen Landtagswahl 2009 ab .

Den Hochrechnungen von ARD (22.26 Uhr) und ZDF (21.38 Uhr) zufolge verbesserte sich die SPD um rund sieben Punkte auf 30,7 bis 31 Prozent (2009: 23,7). Stärkste Partei wurde erneut die seit 15 Jahren in Hessen regierende CDU, die um etwa zwei Punkte auf 38,7 bis 39,3 Prozent zulegte (2009: 37,2). Die FDP brach nach ihrem Spitzenergebnis 2009 (16,2) um mehr als elf Punkte auf 4,8 Prozent ein. Die Grünen lagen mit 11 Prozent bis 10,6 rund drei Punkte unter ihrem Rekordergebnis (13,7). Die Linke erreichte 5,2 bis 5,4 Prozent (2009: 5,4). Die erstmals angetretene eurokritische AfD scheiterte mit rund vier Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Sitzverteilung sieht demnach so aus: CDU 50 bis 51 (2009: 46 Mandate), SPD 39 bis 40 (29), Grüne 13 (17), Linke 7 (6). Der Wiesbadener Landtag umfasst 110 Sitze, es kann aber Überhang- und Ausgleichsmandate geben .

Der Landeschef der Liberalen, Jörg-Uwe Hahn, sprach von einer "ganz klare Klatsche für die hessische FDP". "Wir hätten das vorher erkennen müssen und haben es nicht erkannt." Hahn betonte: "Die hessische FDP wird es weiter geben."