Auf Dachböden, in Kisten und Schränken waren sie das Jahr über versteckt – in diesen Tagen kommen sie vielerorts zum Vorschein: die Herrnhuter Sterne.

Oft müssen geschickte Hände die Weihnachtsboten erst in die richtige Form bringen. Zerlegt in alle 25 Einzelteile werden die Schmuckstücke aus Papier ausgeliefert. „Ganz in Familie sollte der Stern zusammengesetzt werden, um sich gemeinsam auf die bevorstehende Adventszeit einzustimmen“, sagt Oskar Scholz, Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH.

Die Bauweise der Dekoration mit biblischer Symbolik ist traditionell. 17 viereckige und achtdreieckige Zacken machen einen echten Herrnhuter Stern aus. Ein Original aus Papier kann mehrfach auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden. Mancher hält seinen Stern schon jahrelang in Ehren und holt ihn immer vor dem ersten Advent aus dem Karton.

Selbstverständlich lebt das Unternehmen jedoch vom Verkauf seiner Ware, und das Geschäft damit floriert. Rund 250 000 Sterne verlassen jährlich den Betrieb, berichtet Scholz. 150 000 davon werden inzwischen aus Kunststoff gefertigt, etwa zur Dekoration im Freien.

Die Spur für den Ursprung der Tradition führt in eine Internatsschule der Herrnhuter Brüdergemeine. Aus dem Jahre 1887 stammt ein Beleg, dass in Kleinwelka ein Lehrer mit seinen Schülern in der Adventszeit Sterne aus Papier bastelte.

Die Idee verbreitete sich rasch, 1897 kam das erste Modell in den Handel. Von Anfang der 1950er-Jahre an hängten immer mehr Kirchen im Gebiet der früheren DDR das besondere Zeichen des Advents im Altarraum auf.

Der Stern mit Symbolkraft fand später seinen Weg über evangelische Gemeinderäume bis in Privathäuser, zunächst vor allem in christliche Haushalte, erzählt der Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Matthias Oelke. Ein Herrnhuter Stern in den eigenen vier Wänden sei vor 1989 ein Glaubensbekenntnis gewesen.

„Die DDR hatte kein Interesse daran, den christlichen Stern zu vermarkten“, sagt Oelke. Der volkseigene Betrieb „Oberlausitzer Stern- und Lampenfabrik“ in Herrnhut wurde daher 1968 wieder an die Evangelische Brüder-Unität übertragen, die heute alleiniger Gesellschafter des Unternehmens ist.

Dass Herrnhuter Sterne längst auch weltliche Orte zieren, bezeichnet Oelke als Nachwendephänomen. „Seit der friedlichen Revolution hängen sie überall.“ Selbst das Bundeskanzleramt in Berlin schmückt sich mit einem 2,50 Meter großen Original aus Ostsachsen. Ganz frisch sind Kontakte, die das Herrnhuter Unternehmen nach Japan geknüpft hat. „Wir arbeiten daran, dass der Stern bekannter wird“, sagt der Firmenchef.

Keinesfalls soll der beliebte Exportartikel als Massenware vermarktet werden. Scholz liegt daran, dass die Sterne in stilvoller Atmosphäre verkauft werden, etwa auf Weihnachtsmärkten. Das Unternehmen ist in diesen Wochen an rund 30 Orten in Europa vertreten, darunter in Berlin, Wien, London und erstmals auch in Kopenhagen. In der Hochsaison am Jahresende arbeiten immerhin etwa 100 Menschen für die Firma. Zum Stammpersonal gehören mehr als 60 Beschäftigte, die im zurückliegenden Jahr moderne Arbeitsräume beziehen konnten.

Für rund 2,7 Millionen Euro ließ das Unternehmen eine neue Manufaktur am alten Standort bauen. Das 2010 eröffnete Besucherzentrum mit Schauwerkstatt, Café und Ausstellung werde inzwischen das ganze Jahr über sehr gut angenommen, berichtet Marketingmitarbeiterin Jacqueline Knöbel ein. Im vergangenen Jahr kamen etwa 23 000 Besucher und damit deutlich mehr als im Jahr zuvor. Der Zuspruch sei seither weiter gewachsen. „Wir rechnen bis Jahresende mit 30 000 Gästen.“