"Das ist ganz schön schwierig. Dafür müssen immerhin 26 Flächen aneinander gezeichnet werden", sagt Jens Köcher, Mathematiklehrer am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium im ostsächsischen Herrnhut. Doch nicht alle Schüler haben diese Aufgabe zu lösen. "Sie gehört zum Wahlthema in der Rubrik platonische Körper." Von Köcher stammt die Anregung, den Herrnhuter Stern in die sächsische Version des Lehrbuchs "Elemente der Mathematik" aufzunehmen.

Eine freie Fläche
Köcher selbst arbeitet schon seit Jahren im Unterricht mit dem Herrnhuter Stern. In dem Ort, in dem der Adventsschmuck seit Jahrzehnten produziert wird, liegt das nahe. Wenn es um Pyramiden geht, greift der Lehrer gern auf das bekannte Weihnachtsymbol zurück. Der Stern entsteht nämlich, wenn einem Würfel Kanten und Ecken abgeschnitten und auf die sich bildenden Flächen Pyramiden aufgesetzt werden. 17 viereckige und acht dreieckige Zacken machen einen echten Herrnhuter Stern aus. Eine Fläche bleibt für die Aufhängung frei.

Stern lässt sich gut einbauen
"Die Abhandlung des Stoffes lässt sich allerdings nicht in die Adventszeit legen", gibt Köcher zu. Nach dem Lehrplan wird das Kapitel Pyramiden erst im zweiten Halbjahr der siebten Klasse behandelt. Dann stellt der Lehrer seinen Schülern durchaus einmal die Aufgabe, die Zacke eines Herrnhuter Sternes in der Draufsicht und im Schrägbild zu zeichnen oder das Volumen eines solchen Einzelteils zu berechnen. "Der Herrnhuter Stern lässt sich gut in den Unterricht einbauen, um räumliches Vorstellungsvermögen zu schulen", findet Köcher.
Geometrisches Grundwissen wollte offenbar auch Hermann Bourquin (1847-1913) mit den Sternen vermitteln. Er war seinerzeit Erzieher in der Knabenanstalt der Herrnhuter Brüdergemeine in Kleinwelka. Die Sterne bastelte er mit den Kindern im Internat, doch vor allem, um die Adventszeit zu verschönern. Die Tradition wurde später in anderen Schulen und Internaten der Brüdergemeine aufgegriffen.
Mittlerweile schmücken die Weihnachtsboten aus der Oberlausitz am Jahresende vielerorts Stuben, Fenster, Balkone und Plätze. Vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind sie verbreitet, sagt Oskar Scholz, Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH. Sie leuchten auch in anderen Teilen Deutschlands, in der Schweiz, in Skandinavien, Südafrika, USA und sogar in Dubai.
Der Betrieb mit 46 Mitarbeitern produziert jährlich mehr als 200 000 Sterne. Aus Papier und Kunststoff werden sie in unterschiedlichen Größen und Farben angeboten. Beliebtester Papierstern ist das im Durchmesser 60 Zentimeter große Exemplar mit gelben Spitzen und rotem Kern. "Ziel des Unternehmens ist jedoch nicht, eine massenhafte Verbreitung zu erreichen", hebt der Geschäftsführer hervor. Scholz legt in der Vermarktung vielmehr Wert darauf, dass immer auch die ursprünglich biblische Symbolik des Sterns deutlich wird.

Sinnbild für Weihnachten
Gezielt sucht sich das Unternehmen deshalb aus, wo es für seine Produkte wirbt. Auf Weihnachtsmärkten in Koblenz, Konstanz, Lübeck, auf Krongut Bornstedt in Potsdam, auf Schloss Hexenagger in Bayern sowie traditionell in Dresden, Chemnitz und Leipzig werden Herrnhuter Sterne in diesem Jahr angeboten. Sogar das Jüdische Museum in Berlin hat der ostsächsischen Firma einen von etwa 15 Ständen auf seinem Chanukka-Markt reserviert, um "ein typisches Sinnbild für Weihnachten" zu zeigen.
Internet: www.herrnhuter-sterne.de