Sebastian Müller ist wieder glücklich daheim in der Oberlausitz. München fand er zwar für ein paar Jahre ganz toll - aber nicht für ewig. Mit Mitte 20, mit Ausbildung und Studium in der Tasche packte der KFZ-Elektroniker sein Säckel und zog mit der Freundin nach Süden. "Aber das Leben da unten konnten wir uns als Familie nicht vorstellen", sagt er heute. 2010 kamen beide zurück nach Sachsen, wohnen mit dem dreijährigen Sohn wieder in Pulsnitz. "Wir haben jetzt auch ein Haus gebaut." Und für all das bekam Müller gestern einen Preis. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kürte den 32-Jährigen zum "Rückkehrer des Jahres".

Minister sieht Fortschritte

Der Preis ist eines der Schmeckerchen, die der Freistaat gut ausgebildeten Fachleuten bietet, die das Heimweh zurück nach Hause treibt. "Es hat sich einiges geändert in unserem Land", sagt Minister Dulig. "Vor Jahren wussten wir nicht, wie wir den Leuten eine Ausbildung geben könnten. Heute suchen wir händeringend nach Fachkräften."

Diese Botschaft ist indes noch nicht überall angekommen. Weshalb sich das Wirtschaftsministerium in der Vergangenheit einiges einfallen ließ. Duligs Amtsvorgänger, Sven Morlok (FDP), erreichte mit seiner Aktion, Berufspendler an der Raststätte mit Kaffee und Kuchen zur Umkehr zu bewegen, eine gewisse Aufmerksamkeit. Die meisten lachten über Morloks "Eierschecken"-Kampagne, am lautesten die SPD. Also bemüht sich Dulig - knapp vier Wochen auf dem Ministerstuhl - gestern, dem Thema Fachkräfte-Rückgewinnung neuen Drive zu geben. Es gehe "nicht um irgendwelche Backwaren, sondern um gute und sichere Jobs", betonte der Minister gestern, als er dem Fahrzeugingenieur Müller eine gerahmte Urkunde in die Hand drückte. "Alle zerren heute an den Fachkräften, alle wollen ihnen beste Perspektiven bieten." Da müsse Sachsen "jetzt Bindekräfte freisetzen", fordert der Minister.

Sebastian Müller heuerte 2010 beim Fahrzeug-Zulieferer Miunske in Großpostwitz (Kreis Bautzen) an. Die Firma mit 50 Mitarbeitern stellt seit 2002 Systeme für Nutzfahrzeugelektronik her. Der Rückkehrer des Jahres arbeitet hier als Teamleiter für Elektronik. Nach mehreren Abwanderungswellen schreibt Sachsen seit 2012 wieder positive Zahlen. 2013 kamen laut Wirtschaftsministerium knapp 14 000 Menschen mehr in den Freistaat als wegzogen.

Konkurrenz mit dem Süden

Deutschlandweit war Sachsen vor allem für Bürger aus Thüringen und Sachsen-Anhalt attraktiv genug, um die Koffer zu packen. Ungebrochen bleibt indes die Sogwirkung der Wirtschaftszentren Süddeutschlands. Immer noch zieht es mehr Menschen nach Bayern und Baden-Württemberg als von dort herkommen.

Im Frühjahr hat das Dresdner Wirtschaftsministerium die Initiative "Heimat für Fachkräfte" losgetreten. Dabei konnten sich glückliche Rückkehrer für das Comeback des Jahres bewerben. 34 junge Leute nahmen teil, von der Lehrerin über den Chemiker bis zur Hotelfachfrau. Gleich fünf Kandidaten steuerte die Glashütter Traditionsfirma "Lange Uhren" bei.

Gewonnen hat Sebastian Müller, der beim Voting 4000 Stimmen bekam. Seinen Preis konnte er sich aussuchen. Dulig stellte dem Gewinner viel Schönes zur Auswahl: eine Yeti-Outdoorjacke, ein Wochenende im Erzgebirge, ein Fahrsicherheitstraining am Sachsenring oder einmal Semperoper mit Abendessen für zwei Personen. Für den heimatverbundenen Müller keine Frage: "Ich nehme die Semperoper."

Obendrauf gab es noch einen Herrnhuter Stern. Ursprünglich gehörten zur 330 000 Euro teuren Fachkräfte-Kampagne auch neckische Werbeartikel. Wie Müsli-Riegel mit der Aufschrift: "Genießen Sie lieber öfter die süßen Seiten des Lebens, als stundenlang zu pendeln". Darauf verzichtet Dulig lieber. Alles, nur keine kompromittierenden Backwaren.