Jetzt zeigt die Öffentlichkeit an dem Olympiasieger von 1968 zumeist nur an seinen Geburtstagen Interesse. Am heutigen Montag feiert Wolke seinen 70. - in seinem Ferienhaus an der Ostsee, weit weg vom einstigen Gym in Frankfurt (Oder), wo er Gentleman Maske und Schwergewichtler Axel Schulz formte. "Er war einer der besten Boxtrainer, die wir in Deutschland je hatten", beteuert Manager Wilfried Sauerland, zu dessen Unternehmen der Taktikfuchs einst gehörte. "Er war akribisch, auch fanatisch."

Nachdem der Sauerland-Stall die Zusammenarbeit mit ihm beendet hatte, war 2010 für Wolke Schluss. "Wir hätten mit ihm gern in Berlin oder Potsdam weitergearbeitet. Er wollte aber unbedingt in Frankfurt (Oder) bleiben", erklärt Sauerland die Trennung. "Jedoch kam kein Nachwuchs mehr aus Frankfurt. Wir wollten dort Talente ansiedeln, aber das hat nicht geklappt." Danilo Häußler wurde von Wolke noch zum EM-Titel geführt. Und er betreute Maske 2007 bei dessen siegreichem Ein-Kampf-Comeback gegen den Amerikaner Virgil Hill. Mehr war nicht. Wolke hat die sogenannte Frankfurter Boxschule geprägt. Das, was darunter zu verstehen ist, zeigte Maske in Perfektion: sichere Deckung, Treffer vermeiden, gutes Auge, sauber punkten, gewinnen. "Wolke war der beste Taktiker weit und breit", meint Box-Intimus Jean-Marcel Nartz. Dabei sei der Umgang mit dem mehrfachen DDR-Meister kompliziert. "Er ist ein schwieriger Mensch, nicht sehr pflegeleicht. Wir haben uns oft gezofft", berichtet Nartz. "Wäre es möglich, eine Mischung aus Fritz Sdunek, Ulli Wegner und Manfred Wolke zu zaubern, wäre die das Nonplusultra im Boxsport."

Auch Sauerland lobt es, wenn Athleten zuerst auf Defensive getrimmt werden. K.o.-Siege waren Wolke nie wichtig. Sauberes, technisches Boxen schon.

Der gebürtige Babelsberger hatte sich auch an Powerboxer Marco Huck versucht, wollte ihn nach seinen Ideen formen. Nach einigen Wochen gab er auf. Huck, heute Cruisergewichtsweltmeister unter Ulli Wegner, hatte so gar nichts von einem Maske.