In den Siebzigern beobachtete er ihre schwere Krankheit. In den Achtzigern brach es ihm fast das Herz, als sie starb. Immer brodelte die Gerüchteküche um Bärbel Wachholz. Nun schrieb Ex-Koch Joachim Lang (58) ihre Biografie. Rechtzeitig zur Buchmesse am Wochenende hält er sein Lebenswerk in den Händen. Rund zehn Jahre arbeitete der Vogtländer an der Bärbel-Wachholz-Biografie. Schlagerfans werden vor allem bei der Daten- und Faktensammlung die Ohren klingen. Hunderte Titel hat er akribisch genau aufgelistet. Er befragte Zeitzeugen, wie die Schlagersängerin Dagmar Frederic und die Humoristin Leni Staatz, recherchierte in Archiven, baute eine Freundschaft zur Halbschwester Christine Wachholz auf, die ebenfalls Sängerin wurde. Und er versuchte Licht in die Schattenseiten der Bärbel-Wachholz-Karriere zu bringen, die spektakulär begann, widersprüchlich verlief und schließlich tragisch endete. Als die attraktive blonde Sängerin 1959 mit "Damals" aus dem Stand gleich einen ihrer größten Hits landete, sah der Neunjährige sie das erste Mal im Fernsehen und schwärmte fortan pubertär von ihr. Er ließ sie nicht mehr aus den Augen. Schon als Kochlehrling war ihm kein Weg zu weit, um per Moped, Bus oder Bahn zu Konzerten von ihr zu gelangen. Er saß so oft in der ersten Reihe, dass sie ihn zu grüßen begann. Es entwickelte sich ein "Hallo-wie-geht's-Verhältnis". Und wenn ihm der letzte Bus vor der Nase weg fuhr, wurde der hartnäckige Fan im großen Auto der Buchholz zur nächsten Stadt chauffiert. Joachim Lang ärgerte sich stets über den Vergleich, dass die Bärbel Buchholz die Caterina Valente des Ostens sei. "Völliger Quatsch", wehrt er ab. "Sie war die einzige gesamtdeutsche Schlagersängerin", umschreibt er ihren damaligen Erfolg. Doch dann kamen erste Gerüchte auf. Von den Medien wurde sie plötzlich ganz gemieden. Heute weiß er warum: "Man kam ihr auf die Schliche, dass sie die DDR verlassen wollte." Danach überschlugen sich die Spekulationen um ihren Gesundheitszustand. "Fakt ist, dass sie unter Diabetes litt, zweimal an der Bauchspeicheldrüse operiert wurde und langsam das Gehör verlor", recherchierte Joachim Lang. Im Januar 1984 sah er seinen angebeteten Star zum letzten Mal live bei der Fernsehsendung "Spiel mir eine alte Melodie" in Karl-Marx-Stadt. "Man hatte es geschafft, sie für einen Auftritt zu überreden. Zehn Monate später starb sie mit 46 Jahren", sinniert der Hobby-Biograf. Und obwohl ihn schnell der Alltag mit Frau, drei Kindern, Haus und eigener Gaststätte einholte, hatte Bärbel Wachholz stets einen Platz in seinem Herzen. Er begann für sie im Internet eine Homepage einzurichten ( www.baerbelwachholz.de). "Die Reaktionen waren überwältigend. Es schrieben mir plötzlich Schlagerfans aus ganz Europa und ermutigten mich dazu, doch ein Buch zu verfassen", denkt er zurück. Nun hält er "Das offizielle Bärbel Wachholz Buch" mit bisher unveröffentlichten Fotos in den Händen. Am Samstag wird er es um 13 Uhr und 15 Uhr in Halle 3A, Stand 402 vorstellen. Dazu singt Christine Wachholz neu arrangierte Schlager ihrer Halbschwester. Joachim Lang und Christine Wachholz sind am Freitag ab 22 Uhr zu Gast in der MDR-Talk-Show "Unter uns - Geschichten aus dem Leben".