. Stephan Loge war bei der Sache nicht ganz wohl. Am ersten Abend des Drei-Tage-Rennens Ende August im Cottbuser Radstadion war der SPD-Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises und Präsident des Brandenburger Radsportverbandes plötzlich gebeten worden, auf den Rücksitz einer Harley-Davidson zu steigen. "Ich hatte Mühe, mich festzuhalten bei den drei Runden", sagt Loge.

Hinweis von Szenekennern

Am folgenden Abend saß auch der Cottbuser Beigeordnete Holger Kelch (CDU) für eine Ehrenrunde auf dem Rücksitz einer der schweren Maschinen. Er hatte den Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) vertreten, der im Urlaub war. Weder Kelch noch Loge ahnten, was erst jetzt durch Hinweise von Szenekennern bekannt wurde: Es waren Hells Angels, die sie da umherfuhren. Die Kleidung der Biker an diesem Abend gab keinen Hinweis auf ihren Hintergrund.

Regionale Verbände verboten

Der Rocker-Klub Hells Angels wird bundesweit immer wieder mit organisierter Kriminalität in Zusammenhang gebracht. Gewalttätige Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Klubs sorgten mehrfach für Schlagzeilen. Polizei und Staatsanwaltschaft üben seit Monaten großen Verfolgungsdruck auf die Szene aus. Regionale Verbände der Hells Angels wurden verboten oder kamen dem durch Selbstauflösung zuvor.

Nach Überzeugung der Cottbuser Staatsanwaltschaft sollen die Cottbuser Hells Angels den regionalen Drogenmarkt kontrollieren. Als diese im Juli in Kolkwitz (Spree-Neiße) ihr fünfjähriges Bestehen mit Rockern aus ganz Deutschland feierten, war ein Großaufgebot an Polizei im Einsatz. Bei einer vorherigen Razzia war eine vergrabene Kiste mit Waffen und Munition gefunden worden.

Verantwortlich für den Auftritt von Hells Angels beim Cottbuser Drei-Tage-Rennen ist Jens Fichte, Chef eines Immobilienunternehmens und Vorsitzender des Radsportvereins RK Endspurt 09, der das Rennen organisierte. Der versichert, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei den Bikern um Hells Angels handelte. Bei der hochkarätig besetzten Rennveranstaltung traten Fahrradstars wie Trixi Worrack und Roger Kluge in die Pedale.

Rocker kamen gratis

Neben dem sportlichen Wettkampf sei es darum gegangen, "eine Attraktion" heranzuschaffen, um die Anziehungskraft der Veranstaltung zu erhöhen, so Vereinschef Fichte. Ein Mieter eines von ihm verwalteten Hauses habe angeboten, die Biker mitzubringen, die der Verein auch nicht bezahlen musste. In diesem Haus in der Cottbuser Innenstadt befindet sich ein Tattoo-Studio, das als "gute Stube" der Hells Angels in Cottbus gilt. Als es vor wenigen Jahren schwere gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Rockerklubs gab, standen dort tagelang Polizeiwagen vor der Tür. Auch davon habe er nichts gewusst, versichert Fichte.

Politiker sauer

Holger Kelch und Stephan Loge, die ahnungslos auf den Hells-Angels-Maschinen mitfuhren, fühlen sich benutzt und in eine für sie völlig inakzeptable Situation hinein gelockt. "Das hätte der Veranstalter abklären müssen, wer da Motorrad fährt", sagt Landrat Loge. Auch Holger Kelch wird in nächster Zeit kaum wieder bei einer Veranstaltung auf ein Motorrad steigen: "Wir können die Hells Angels hier nicht hofieren."